Am morgigen Sonntag begeht die katholische Kirche den Welttag der Großeltern und älteren Menschen. Eingeführt wurde dieser Tag von Papst Franziskus. In diesem Jahr wählte Papst Leo das Motto aus dem Buch Jesaja: „Ich aber vergesse dich nicht." Gott verspricht seinem Volk, es immer im Herzen zu haben – wie eine Mutter ihr Kind.
Wir leben in einer Welt, die sehr schnell vergisst. Was gestern wichtig war, scheint heute längst überholt. Ältere Menschen leiden – wie auch Kinder - besonders darunter. Ihr Rat ist nicht mehr gefragt, ihre Geschichten für viele unbedeutend. Im schnelllebigen Kapitalismus gibt es scheinbar keinen Platz für sie. Papst Leo mahnt in seiner aktuellen Botschaft sehr eindrücklich: das menschliche Herz bewahrt trotz aller digitalen Vernetzung – und vielleicht gerade deswegen - ein unverzichtbares Bedürfnis nach Nähe! Und er warnt: ein Mensch darf niemals nur auf eine Bettnummer oder ein Krankheitsbild reduziert werden!
So verkündet auch der Prophet Jesaja: „Ich aber vergesse dich nicht." Es ist Zuspruch für den Einzelnen vor Gott – und es ist zugleich eine Aufforderung an die Jugend: Vergesst die Generation nicht, die euch den Weg bereitet hat. Und eine Aufforderung an die Älteren: Vergesst nicht die, die in eure Fußstapfen treten! Eure Nachkommen freuen sich auch über einen Zuspruch! Gebt aufeinander acht!
Hier in Berlin erlebe ich, wie viel ein solcher Besuch bewirken kann. In unseren Gemeinden, in Senioreneinrichtungen, in Familien – wo Menschen sich Zeit nehmen, zuhören, da sind. Es braucht oft nicht viel: ein Anruf, ein Besuch, ein offenes Ohr – auch für eine Geschichte, die man vielleicht schon kennt.
Der Welttag der älteren Menschen erinnert uns daran, dass Erinnern und Sorge keine Einbahnstraße sind. Wenn wir uns der Älteren erinnern, erfahren wir oft selbst, wie viel sie uns und den jungen Menschen zu geben haben. Lassen wir einander nicht vergessen – ob alt oder jung.
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende.