Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,
wie lange hält Ostern? Die Frage mag sonderbar klingen, aber womöglich nur auf den ersten Blick. Auf den zweiten klarer: Wie lange hält dieses Fest von vor einer Woche seine Zuversicht, unsere Stimmung? Wenn wir Antworten darauf probieren, werden die einen die christliche Tradition ins Feld führen: Sieben Wochen. So wie vorher sieben Wochen Passionszeit war, so sind jetzt sieben Wochen mit österlicher Freude angesagt. Fröhliche Sonntage mit so klangvollen Namen wie Rogate, Betet oder Kantate, Singt. Osterfreude satt in den Lebensrhythmus genommen, 50 volle Tage, bis Pfingsten.
Andere geben vielleicht eine weltlichere Antwort, mit leichtem Schmunzeln: Ostern hält, bis die Schokoladeneier aufgefuttert sind. Dieses Jahr ein paar weniger, teuer genug sind se. Und mit vollem Ernst wird mancher sagen: Wie soll Osterfreude halten? Guck doch in die Welt um uns mit den Kriegen, den Bomben, hat sich auch nur einen Tag oder eine Nacht etwas geändert durch Osterkunde von dem einen Auferstandenen? Einer! Und auch wenn Jesus eben der Erste war, nicht bloß einer: Die Welt kennt nur das Anwachsen der Gräber. Der Zweifel: an Ostern ist er besonders stark, klar. So wie auch der Glaube besonders stark ist. Noch in der Osternacht oder eben jetzt, am ersten Sonntag nach Ostern, lassen sich viele Menschen taufen. Weißer Sonntag heißt er, wegen der weißen Taufkleider, die man früher nach der Taufe anzog, als Zeichen für das neue Leben, das Gott schenkt, Neues im Alten, versprochen für das ganze Leben, ja, über den Tod hinaus ein Versprechen auf Gottes Ewigkeit. So gesehen hält Ostern ewig, natürlich, was denn sonst. Wo Gott wirkt, gibt es keine Frist, nur Zeit, Zeit zu leben.
Wie lange hält Ostern? Ja, vermutlich ist die Frage falsch gestellt. Halten in diesem Sinne wie ein Joghurt, dessen Haltbarkeit irgendwann abgelaufen ist, kann Osterfreude nicht. Aber halten, was sie verspricht, das soll die Botschaft von Gottes Sieg über den Tod, und jeden halten in dieser Welt, den sie so gerade trifft, erwischt.
Gestern, 10. April, war der Tag der Geschwister, also derer, die mir im Leben an die Seite gestellt sind. Da ist das jetzt ein gutes Wochenende, die einmal anzurufen und zu horchen. Die, die aufs engste Teil des eigenen Lebens sind. Darüber hinaus hilft mir der Tag im Spüren, dass doch alle Menschen Geschwister sind. Im Leben, in Recht und Würde, die sie teilen, Zweifeln und Hoffen. Und wenn dieser Gedanke mich erfasst und ich dem ersten, den ich treffe, einen frohen Tag wünsche hier in der Stadt und ein überraschtes Augenzwinkern über das Gesicht huscht, ist auf seine Weise Ostern und hält, was es verspricht: Die Menschen gehören zusammen in alle Ewigkeit. Trotz allem, das soll halten, gerade jetzt.
© Rolf Oeser / fundus-medien.de