Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,
der Nikolaus – Bischof von Myrna –, dessen Namenstag wir heute begehen, wirft in der zentralen Legende Goldklumpen durch den Kamin. Damit ein Vater seinen Töchtern eine gute Zukunft ermöglichen und einen schrecklichen Lebensweg ersparen kann. Drei Nächte hintereinander donnern Goldklumpen durch den Schornstein – das ist schon geballtes Glück und eine ordentliche Hilfe, die sich vielleicht mancher dieser Woche bei der Diskussion über die Rente auch gewünscht hätte. Schokolade, Nüsse oder Mandarinen im Stiefel sind immerhin ein Anfang, hoffentlich haben Sie heute was davon vorgefunden. Aber Gold – ja Gold, gewissermaßen cash, das ist natürlich was anderes.
Allerdings – wissen wir: Das macht nicht allein glücklich. Ich denke gerade mit Blick auf die Geschichte: Das wahre Gold dürfte womöglich sein, dass wir über die Generationen hinweg ins Helfen, ins Gespräch, ins Füreinander kommen statt ins Gegeneinander und aneinander vorbei. So wie der Nikolaus, der für die Kinder sorgt und den Älteren zur Seite steht, so brauchen auch wir den Blick aufs Ganze. Ob Rente oder Wehrdienst, ob Kostenrechnungen oder Pflichtdienst – nur im Miteinander wird es funktionieren. So wie im Moment geht es doch nicht: Was ist das für eine Gesellschaft, in der über die Älteren, die über Jahrzehnte viel geleistet und das Land nach den Kriegen wieder aufgebaut haben, geredet wird, als seien sie nur noch eine Last für die Versorgung und Versicherung – und eine Last für die Jungen. Wie würdelos ist dieses Reden. Das vierte Gebot sagt einprägsam: Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass es dir wohl ergehe und du lang lebest auf Erden. Denn genauso, so muss man nur ergänzen, wirst auch du alt werden. Und wie du geredet hast, so wird über dich geredet werden. Also mehr Würde für die Älteren, Würde, bitte!
Genauso gegenüber den Jüngeren, die in der öffentlichen Diskussion oft nur die Objekte eines sozialen Pflichtjahres oder notwendiger Wehrfähigkeit zu sein scheinen. Sie sind aber Subjekte. Menschen mit gleicher Würde, Mitspracherecht, Einschätzungskraft und Vielfalt. Frohen Nikolaus – wünsche ich deshalb heute und rufe uns dabei das Geheimnis in Erinnerung, dass Fürsorge und Aufmerksamkeit das größte Geschenk einer Gesellschaft und Auftrag sind.
Wie heißt die letzte Strophe in dem wohl bekanntesten Nikolauslied? Niklaus ist ein guter Mann, dem man nicht genug danken kann. – Das soll man wohl. Und ja nicht vergessen: Man muss wie er nicht gesehen werden beim Schenken. Hauptsache wir bleiben miteinander verbunden in allen wichtigen Fragen der Gegenwart – und füreinander da – über alle Altersgrenzen hinweg.
© Christian Schauderna / fundus-medien.de