Vor einiger Zeit wurden vor unserem Haus zwei Stolpersteine mit den Namen Jüdischer Menschen in den Gehweg eingelassen. Gegen das Vergessen. Ein Ehepaar, das hier gelebt hatte, sollte in der NS-Zeit, 1942, deportiert werden. Es nahm sich aber zuvor das Leben. Neben dem Datum steht darauf: gedemütigt/ entrechtet, Flucht in den Tod. Oft bleiben die verschiedensten Menschen davor stehen und besonders kleine Kinder entdecken die Steine schnell, weil immer Blüten daneben liegen. Meist knien sich die Eltern dann neben sie und erzählen ihnen etwas darüber. Ich hatte mir keine Gedanken gemacht, woher die frischen Blüten jeden Tag kamen, bis ich zufällig eines Vormittags vom Balkon einen alten Mann erblickte, der flotten Schrittes an unserem Haus vorbeiging und dabei unauffällig aus seiner Hand Blüten auf die Stolpersteine fallen ließ. So, als ob er nicht dabei ertappt werden wollte. Es war wie ein tröstlicher Segen, der für alle sichtbar in der Welt liegen blieb. Ich wünsche Ihnen eine behütete Nacht.
Blüten des Erinnerns
Ein Beitrag von
Christiane Voigt-Rensch