Und wieder ist Abend und wieder lieg ich hier und wieder denk ich mir, was war heut eigentlich gewesen, was war los bei dir und warum war, was war und wie geht es mir?
Und dann hör ich sie, die Stimmen und voller Fantasie stell ich mir vor, wir wären viele und ich sehe die Vernunft, in blond, wie sie sagt: alles Unsinn! Und dann hör ich die Berechnung, schwarzer Dutt, und sie sagt, alles Unglück. Und dann höre ich die Angst, braune Löckchen, schüchtern sagen, nichts als Schmerz. Und die Einsicht mischt sich lautstark ein, es sei aussichtslos gewesen und der Stolz, rothaarig, meint: Lächerlich war’s noch dazu! Leichtsinnig, sagt die Vorsicht. Und unmöglich, die Erfahrung.
Und am Ende sagt die was, die bisher geschwiegen hat. Weil sie flüstert, höre ich´s erst schlecht, doch ihr murmeln wird dann lauter und schließlich dringt ihre feste Stimme an mein Ohr: Es ist, was es ist! Und wer da spricht, ist die Liebe.
Es ist, was es ist. Mit den Worten der Liebe im Ohr, schlaf ich ein. Gute Nacht!
Quelle: nach: Erich Fried „Was es ist“, in: Erich Fried: Vorübungen für Wunder. Gedichte vom Zorn und von der Liebe, Wagenbach (Berlin) Neuausgabe 1999, S. 73.