Fröstelnd geht die Zeit spazieren. Was vorüber schien, beginnt.
Chrysanthemen blühn und frieren.
Fröstelnd geht die Zeit spazieren.
Und du folgst ihr wie ein Kind.
So beginnt das Oktobergedicht von Erich Kästner, das mich jedes Jahr aufs Neue durch den Herbst begleitet. Eine verwunschene Jahreszeit, in der irgendwie noch alles möglich ist: Warme Tage und kühle Tage wechseln sich ab, die Sonne ist golden und warm. Und doch kann es zwischendurch auch schon bitterkalt sein. Umso schöner ist es dann, wenn man am Abend in die warme Wohnung zurückkehrt, voller Geschichten, die man am Tag erlebt hat. Mit dem, was gelang und mit dem, was wir gern noch einmal versuchen würden.
„Nebel zaubern in der Lichtung, eine Welt des Ungefährs“, so dichtet Kästner weiter.
Am Abend müssen wir nichts mehr festhalten. Wir dürfen ablegen, was schwer geworden ist. Der Nebel macht die Welt zum Ungefähren. „Raum wird Traum“, schreibt Kästner.
Und so denke ich, Herbst bedeutet auch: der Zeit zu folgen, ohne schon zu wissen, wohin. Darauf zu vertrauen, dass Gott auch im Ungefähren bei uns ist.
Lit.: Kästern, Erich, Oktober. In: Die 13 Monate, Atrium Verlag Zürich 1955.