Eine ältere Frau mit silbernem Haar trägt ein grünes Oberteil und hält ein blaues Telefon am Ohr. Sie schaut besorgt und konzentriert aus, während sie spricht. Der Hintergrund ist in einem neutralen Blau gehalten.
19.10
2026
06:50
Uhr

Angerufen

Ein Beitrag von Simon Klaas
Dies ist eine Sendung aus der Staffel vom 19. – 25. Oktober Alle Beiträge aus der Staffel finden sie hier:
Eine Nahaufnahme von Händen, die an einem Maschendrahtzaun greifen. Die Person trägt einen grauen Pullover und der Fokus liegt auf den fingern, die sich durch das Netz hindurch drängen. Im Hintergrund sind unscharfe Strukturen zu sehen.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Grenzenlos

Simon Klaas
Drei Personen sitzen auf einem Sofa und schauen gemeinsam einen Fernseher an. Der Raum ist schwach beleuchtet, eine Lampe spendet Licht. Im Hintergrund sind Poster an der Wand zu sehen. Die Stimmung ist entspannt und familiär.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Wie gebannt

Simon Klaas
Zwei Hände überreichen sich ein Geschenk, das in braunes Papier eingewickelt und mit einem orangefarbenen Band verziert ist. Die Geste vermittelt den Moment des Schenkens und der Freude.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Beschenkt

Simon Klaas
Die Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt eine große Gruppe von 18 Personen, die auf einer Veranda sitzen und stehen. Sie sind formell gekleidet und lächeln in die Kamera. Die Szene vermittelt eine familiäre Atmosphäre, wahrscheinlich ein Familientreffen oder eine Feier.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Verbunden

Simon Klaas
Eine junge Frau in einem roten Kleid erhält einen Segen, während eine Person in Robe sie mit der Hand auf dem Kopf berührt. Im Hintergrund steht eine weitere Person. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Zeremonie und Feierlichkeit.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Gesegnet

Simon Klaas

Das Telefon klingelt. Ich hechte zum Hörer, bevor der Anrufbeantworter übernimmt. ‚Herr Pfarrer, wir warten hier auf Sie...‘ - Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Ich hätte schon vor zehn Minuten beim Gottesdienst im Seniorenheim sein müssen. Vergessen vor lauter anderen Sachen, einfach nicht mehr dran gedacht. Heute ist Montag – Pfarrer-Sonntag nennen wir das unter Kolleginnen und Kollegen. Weil Sonntag selten frei ist in diesem Beruf. Nun also das. Das darf doch nicht wahr sein! Nein, wie unmöglich – und wie peinlich! Ich stammele eine Entschuldigung, ich frage, ob ich noch kommen soll - ich bräuchte zehn Minuten. Die entspannte Antwort: „Ja, in Ordnung, wir singen was, während wir auf Sie warten.“ - Ich greife meinen Talar, mein Gesangbuch und meine Bibel, ich eile zum Auto und rase los.

Es beschämt und ärgert mich, wenn ich einen Termin vergesse. Vor allem so einen, wo Menschen auf mich warten, die nicht mehr so viele Termine haben, die wirklich mich erwarten und sich darauf freuen, dass ich komme und mit ihnen Gottesdienst feiere. Tausend Fragen schwirren mir dann durch den Kopf: Warum habe ich nicht noch einmal in meinen Kalender geschaut? Oder hatte ich vergessen, den Termin einzutragen? Was ist eigentlich los mit mir?

Kennen Sie dieses Gefühl: Einen Moment noch bin ich mit mir und der Welt im Reinen, im nächsten stelle ich mich und alles komplett in Frage. Nur wegen eines Anrufs. Ein Klingeln, das mich aus meiner Blase holt und mich unsanft in die Realität zurückholt. Der freie Morgen existierte nur in meinem Kopf.

Als ich schließlich etwas aus der Puste in Dienstkleidung vor den wartenden Seniorinnen und Senioren stehe, ist fast alles wieder gut. Wir beten, singen, hören; wir nehmen einander wahr. Wir sind da und Gott ist es auch.

Manchmal brauche ich das. So einen Anruf, ein lautes Klingeln, dass mich aus meiner Träumerei in die Realität zurückholt. Ich bin ein Mensch, ich mache Fehler. Auch als Pfarrer. Das nächste Mal sage ich: Danke, dass Sie anrufen. Ich habe das offensichtlich mal wieder gebraucht. Bin schon unterwegs!