Als Lehrkraft stehe ich jeden Tag vor einigen Herausforderungen. Sei es Stundenausfall, Personalknappheit, oder die Frage, wo Deutschland mit seinen Schulen steht im internationalen Vergleich.
Kümmere ich mich nicht darum, kann meine schulische Arbeit nicht erfolgreich sein. Und doch sind sie nicht alles, was über Erfolg oder Misserfolg meiner Arbeit jeden Tag entscheidet. Es geht um viel weniger, und gleichzeitig um viel mehr. Es geht um Gerechtigkeit und die Frage: Wie schaffe ich es, gerecht zu sein?
Gerechtes Handeln bedeutet, keine Unterschiede unter den Kindern und Jugendlichen zu machen. Sie haben es verdient, alle gleich gut behandelt zu werden, nicht nach ihrem Aussehen, ihrem Verhalten oder ihren Fähigkeiten beurteilt zu werden. Dabei muss ich Kompromisse machen, ausgleichend wirken, versöhnend sprechen und ermutigend anspornen.
„Das ist aber ungerecht!“ -. Kinder sind sehr rasch damit, sich ungerecht behandelt zu fühlen, doch ich vermute, dass sie häufig in irgendeinem Punkt Recht haben. Denn sie haben ein sehr feines Gespür für Recht und Unrecht. Deshalb schaue ich genau hin, was gemeint ist. Eine Herkulesaufgabe!
Das Buch Jesus Sirach, ein fast zweitausend Jahre alter Text des Alten Testaments, hat die Frage nach der Bedeutung von Gerechtigkeit zu einem seiner Hauptanliegen gemacht. Dort heißt es:
„Der Herr ist Richter und es gibt vor ihm kein Ansehen der Person. Er bevorzugt niemanden gegenüber einem Armen, die Bitte eines ungerecht Behandelten wird er erhören. Er missachtet nicht den Hilferuf der Waise und die Witwe, wenn sie ihren Jammer ausschüttet. Wer Gott wohlgefällig dient, wird angenommen und seine Bitte dringt bis in die Wolken. Das Gebet eines Demütigen durchdringt die Wolken, und bevor es nicht angekommen ist, wird er nicht getröstet und er lässt nicht nach, bis der Höchste darauf schaut. Und er wird für die Gerechten entscheiden und ein Urteil fällen“
Gerechtigkeit ist eine der Grundsäulen unserer Gesellschaft, sie ist geradezu ihr Kitt. Wo es keine Gerechtigkeit gibt, wird es keinen gesellschaftlichen Frieden geben. Und das gilt genauso für den Frieden an einer Schule, in einer Klasse oder in einem Team von Schulkindern.