Eine Frau hält ein lächelndes Baby in einem dicken, weißen Strampler. Eine weitere Frau neben ihr schaut lächelnd auf das Baby. Im Hintergrund sind festliche, gelbe Girlanden zu sehen. Die Atmosphäre ist warm und freundlich.
02.11
2026
06:50
Uhr

Widerstand als ziviler Ungehorsam

Schifra und Pua

Ein Beitrag von Friederike Krippner
Dies ist eine Sendung aus der Staffel vom 02. – 08. November Alle Beiträge aus der Staffel finden sie hier:
Zwei Personen schütteln sich die Hände über einem Tisch. Eine Person im Vordergrund hat eine dunkle Jacke und trägt ringen, während die andere Person im Hintergrund aufmerksam zusieht und elegant gekleidet ist. Auf dem Tisch steht eine Tasse und einige Unterlagen.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Widerstand durch demonstrative Güte

Friederike Krippner
Eine Person sitzt auf einem Stuhl, mit angezogenen Knien und Kopf auf den Armen. Sie wirkt nachdenklich oder traurig, umgeben von einem schlichten, hellen Raum mit zwei Fenstern, die Licht spenden. Der Boden ist aus Beton und die Atmosphäre wirkt isoliert.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Widerstand gegen Aufgaben

Friederike Krippner
Drei Frauen stehen Rücken an Rücken, tragen schwarze Oberteile und Jeans. Ihre Arme sind hinter dem Rücken verschränkt, wobei sie mit ihren Händen einen spielerischen Ausdruck zeigen. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Freundschaft und Zusammengehörigkeit.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Sisterhood als Widerstand

Friederike Krippner
Eine schwarze Frau sitzt allein auf einem Busplatz, nachdenklich aus dem Fenster schauend. Neben ihr sitzt ein Mann im Anzug, der in die entgegengesetzte Richtung blickt. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Spannungen und sozialer Trennung.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Sitzen bleiben als Widerstand

Friederike Krippner
Ein Mann steht mit dem Rücken zur Kamera und hält sein Gesicht mit beiden Händen bedeckt. Er scheint in einem Moment der Verzweiflung oder Traurigkeit zu sein. Der Hintergrund ist dunkel, was die emotionale Intensität der Szene verstärkt.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Widerstand als Klage

Friederike Krippner

Schifra und Pua, so heißen in der Bibel zwei israelitische Hebammen, die in Ägypten lebten. Dass man die Namen der beiden kennt, ist nicht selbstverständlich. Denn sehr häufig bleiben auch wichtige Frauen in der Bibel namenlos. Sie sind dann die „Frau von“ oder „Tochter von“ oder auch „Magd von“ einem namentlich bekannten Mann.
Hier wird das umgedreht. Schifra und Pua sind Frauen, die einem sehr mächtigen, aber trotzdem namenlosen Mann gegenübertreten: dem ägyptischen Pharao. Sie leben in Ägypten zu einer Zeit, in der der Pharao die Israeliten unterdrückt.

Dieser Pharao verlangt nun Brutales von den beiden: Sie sollen direkt nach der Geburt die männlichen Babys der Israeliten ermorden. Ohne männliche Nachkommen nämlich müssten die jungen Israelitinnen Ägypter heiraten oder blieben gleich ganz ehelos. In beiden Fällen würde das Volk der Israeliten nicht durch weitere Kinder wachsen.

Diese Rechnung ist aber ohne die Integrität von Schifra und Pua gemacht. Sie sind gottesgläubig und aus diesem Glauben heraus verweigern sie heimlich den Befehl. Das kommt natürlich irgendwann raus. Männliche Babys und Kleinkinder lassen sich nicht gut verstecken. Und so bestellt der Pharao die beiden Hebammen abermals zu sich, dieses Mal, um sie zur Rede zu stellen. Und obwohl das höchst einschüchternd gewesen sein muss, bleiben die beiden cool und reagieren mit einer wohldurchdachten Antwort: Sie verweisen auf die außerordentliche Kraft und Gesundheit hebräischer Frauen, die dazu führe, dass diese immer schon längst geboren hätten, bevor sie als Hebammen überhaupt vor Ort sein könnten. Daher hätten sie gar keine Chance, die männlichen Babys zu töten.

Die beiden Frauen mit den schönen Namen üben aus, was man modern „zivilen Ungehorsam“ nennt. Der Pharao ist zu ihrer Zeit das inkarnierte Gesetz. Aber sie befolgen dieses Gesetz nicht. Und das mit gutem Grund: Denn ein Gesetz, das zum Babymord aufruft, taugt ganz offensichtlich nicht. Gottesgläubig wie sie sind, spüren sie: Hier können wir nicht mitmachen, selbst dann nicht, wenn unser Leben durch diese Verweigerung das Gesetz zu befolgen gefährdet ist.

In den kommenden Tagen will ich mit Ihnen ein paar Geschichten zum Thema Widerstand entdecken – und dabei auf jenen Widerstand schauen, der ohne Waffen auskommt. Schifra und Pua machen den Anfang: Sie setzen Menschlichkeit gegen Grausamkeit, Widerstand gegen einen mörderischen Befehl – und retten dadurch Menschenleben.