Und immer wieder, ganz egal, wie schnell die Erde sich auch dreht, und immer wieder und dafür sei Gott sehr gedankt, kommen Kinder auf die Welt, egal, wie wild und wüst sich grad das Leben anfühlt.
Und immer haben Eltern Wünsche, was aus diesen Kindern werden soll, so auch Mascha Kaléko. Sie schreibt diese Verse „An mein Kind“:
Dir will ich meines Liebsten Augen geben
Und seiner Seele flammenreiches Glühn.
Ein Träumer wirst du sein und dennoch kühn
Verschloßne Türen aus den Angeln heben.
Wirst ausziehn, das gelobte Glück zu schmieden.
Dein Weg sei frei. Denn aller Weisheit Schluß
Bleibt doch zuletzt, dass man hienieden
All' seine Fehler selbst begehen muss.
Ich kann vor keinem Abgrund dich bewahren,
Hoch in die Wolken hängte Gott den Kranz.
Nur eines nimm´ von dem, was ich erfahren:
Wer du auch seist, nur eines - sei es ganz!
Ach hätten doch alle Kinder dieser Welt, Eltern, die sich so wunderbar liebevoll poetische Gedanken um die Zukunft ihrer Söhne und Töchter machen. Davon will ich träumen heute Nacht – schlafen Sie gut.
Quelle: Mascha Kaléko: „An mein Kind“, aus: Verse für Zeitgenossen, Reinbek 1975, S. 32f.