Ich liebe Bücher. Aber es kommt vor, dass ich drei Seiten lese und anschließend nicht weiß, was darauf stand.
Die Augen haben brav ihre Arbeit gemacht. Zeile für Zeile, Seite für Seite. Nur die Gedanken, die waren längst woanders. An manchen Abenden, wenn meine Gedanken schon ganz müde vom Nachdenken über die nächste Predigt sind, sehe ich an der Zimmerdecke die Gestalten tanzen, über die ich gerade in der Bibel gelesen habe. Die mutige Ruth, die energische Martha, den wütenden Esau und den zweifelnden Thomas.
Sie wollen nicht bloß gelesen, verstanden und anschließend ordentlich zurück ins Regal gestellt werden. Sie wollen weiterwandern, in meinen Gedanken, Fragen und manchmal auch in meinem Zweifel. Wie bei Thomas.
Die Figuren spinnen einen Faden, den ich irgendwo aufnehmen kann und weiterspinnen. Gelegentlich verliere ich ihn beim Denken und hoffe, dass mir das nicht in der Predigt passiert.
Aber selbst, wenn ist das gar nicht immer schlimm.
Vielleicht hält Gott das andere Ende fest und wartet geduldig auf mich.
Schlafen Sie gut und knüpfen Sie Ihren eigenen Faden!
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