Ein gepackter Sandbags-Stapel steht auf einer Straße, umgeben von Gebäude. Im Hintergrund ist ein Kontrollpunkt sichtbar, der als "US Army Checkpoint" gekennzeichnet ist. Die Szene vermittelt ein Gefühl von historischer Bedeutung und erinnert an frühere Konflikte.
27.10
2026
06:50
Uhr

Checkpoint Charlie

„Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“

Ein Beitrag von Christina Förner
Dies ist eine Sendung aus der Staffel vom 26. Oktober – 01. November Alle Beiträge aus der Staffel finden sie hier:
Ein impressionistisches Gemälde, das eine weiße Brücke über einen ruhigen Teich zeigt. Umgeben von farbenfrohen Blumen und üppigem Grün reflektiert die Brücke sich im Wasser. Die Szene strahlt Ruhe und natürliche Schönheit aus.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Brücken

Christina Förner
Das Bild zeigt eine große Mosaik-Art aus Lego-Steinen, die das Gesicht eines Lego-Charakters darstellt. Die Farben des Mosaiks sind überwiegend Gelb für das Gesicht und Schwarz für das Haar. Es ist Teil einer Ausstellung mit verschiedenen Lego-Modellen.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Die Katze Erinnerung

Christina Förner
Eine Reihe traditioneller Windmühlen mit schwarzen Dächern und langen, schmalen Flügeln steht in einer ländlichen Umgebung. Der Himmel ist klar und blau, während im Vordergrund eine Steinmauer zu sehen ist.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Don Quijote

Christina Förner
Die Abbildung zeigt eine rote Medaille, auf der eine Darstellung eines Gesichts auf der Vorderseite und ein stilisiertes florales Muster mit dem Text "GOTT ÜBER ALLE DINGEN" auf der Rückseite zu sehen ist. Die Jahreszahlen 1783 und 1983 sind ebenfalls eingraviert.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Vergebung

Christina Förner

Am 27. Oktober 1961 Jahren hielt die Welt den Atem an. Am Checkpoint Charlie in Berlin, dem Übergang an der Sektorengrenze zwischen amerikanischem und russischem Einflussbereich, waren Panzer aufgefahren, die Mündungen ihrer Geschütze zeigten jeweils in die Richtung des politischen Gegners. 

Ich kann mich gut an die Erzählungen meiner Eltern erinnern, die von großer Anspannung und Sorge berichteten, aus dem politischen Konflikt könnte ein neuer militärischer werden. Beide hatten als Kinder den Zweiten Weltkrieg miterlebt.

Ich bin in den sechziger Jahren geboren und dankbar dafür, dass ich nie etwas anderes im eigenen Land kennengelernt habe als Frieden. Heute kann ich am Checkpoint Charlie mit dem Fahrrad die Friedrichstraße hinunterfahren und niemand fragt mich nach meinem Ausweis oder hält mich gar auf. Der ganze Ort wimmelt jeden Tag vom Berliner Linienverkehr und nicht zuletzt den vielen Touristen. Sie fotografieren sich gegenseitig vor dem weißen Hüttchen, das einst der amerikanische Militärposten war, oder sie besuchen das zugehörige Museum. Was für ein Geschenk das ist, wenn man bedenkt, wie es heute vor genau 65 Jahren dort aussah!

Tage wie dieser erinnern mich immer wieder daran, wie wenig selbstverständlich es ist, dass man im Frieden leben kann. Europa, der Kontinent, der im 20. Jahrhundert gleich zwei schreckliche Verwüstungen gesehen hatte, ist erneut zum Schauplatz eines Krieges geworden. Es wird viel darüber gesprochen, und auch gestritten, wie Friede wiederhergestellt werden könnte. Manche sagen, er müsse erkämpft werde. Ich selbst bin kein Fan dieser Wortwahl. Denn wer einen Kampf beginnt, begibt sich in die Logik von Sieg und Niederlage. Das ist ein gefährlich hohes Risiko.

Trotzdem hoffe ich sehr, dass neuer Frieden errungen werden kann. Es gibt ein geflügeltes Wort von Willy Brandt aus dem Jahr 1981, dessen Umkehrschluss ich bestechend richtig finde. Es lautet:

„Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts.“

Versuchen wir, einen gerechten Frieden zu finden. Damit auch zukünftige Generationen in Europa im Frieden aufwachsen können.