Eine Nahaufnahme von Händen, die an einem Maschendrahtzaun greifen. Die Person trägt einen grauen Pullover und der Fokus liegt auf den fingern, die sich durch das Netz hindurch drängen. Im Hintergrund sind unscharfe Strukturen zu sehen.
20.10
2026
06:50
Uhr

Grenzenlos

Ein Beitrag von Simon Klaas
Dies ist eine Sendung aus der Staffel vom 19. – 25. Oktober Alle Beiträge aus der Staffel finden sie hier:
Drei Personen sitzen auf einem Sofa und schauen gemeinsam einen Fernseher an. Der Raum ist schwach beleuchtet, eine Lampe spendet Licht. Im Hintergrund sind Poster an der Wand zu sehen. Die Stimmung ist entspannt und familiär.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Wie gebannt

Simon Klaas
Zwei Hände überreichen sich ein Geschenk, das in braunes Papier eingewickelt und mit einem orangefarbenen Band verziert ist. Die Geste vermittelt den Moment des Schenkens und der Freude.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Beschenkt

Simon Klaas
Die Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt eine große Gruppe von 18 Personen, die auf einer Veranda sitzen und stehen. Sie sind formell gekleidet und lächeln in die Kamera. Die Szene vermittelt eine familiäre Atmosphäre, wahrscheinlich ein Familientreffen oder eine Feier.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Verbunden

Simon Klaas
Eine junge Frau in einem roten Kleid erhält einen Segen, während eine Person in Robe sie mit der Hand auf dem Kopf berührt. Im Hintergrund steht eine weitere Person. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Zeremonie und Feierlichkeit.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Gesegnet

Simon Klaas

Vor kurzem bin ich mit dem Flugzeug geflogen. Spätestens bei der Passkontrolle wurde mir da bewußt: Wir sind nicht alle gleich. Wer einen biometrischen Reiseausweis eines EU-Landes besitzt, wird schneller abgefertigt und kann sich einfach per Computer überprüfen lassen. Wenn alles seine Richtigkeit hat, erscheint da ein grüner Haken und der Schriftzug ‚EU-Bürger‘ und: die Schleuse öffnet sich. Ich fantasiere, was das Gerät wohl sonst anzeigen würde: sicher ein rotes Kreuz, aber welches Wort dazu? ‚Ausländer‘ vielleicht? Oder ‚Fremder‘ oder gar ‚Nicht-Bürger‘?

Ich lebe und arbeite in Forst in der Lausitz nah an der polnischen Grenze. Seit dem EU-Beitritt Polens 2004 gibt es dort keine ständigen Grenzkontrollen mehr. Doch die Grenze ist damit nicht verschwunden: Sichtbare Narben der Vergangenheit sind geblieben - die innerstädtischen Brücken über den Grenzfluss Neiße liegen hier bei uns immer noch in Trümmern, nachdem sie in den letzten Kriegstagen 1945 gesprengt wurden. Da sind die unterschiedlichen Sprachen: Während viele Polen im Grenzgebiet heute deutsch sprechen, gibt es nach wie vor kaum Deutsche, die polnisch sprechen. Und da sind immer noch die vielen Diskussionen um Grenzkriminalität oder illegale Grenzübertritte. Die Grenze – sie ist in Forst weiterhin spürbar - auch wenn ganz man einfach hin und her fahren kann.

Ich wünsche mir im tiefsten Inneren eine Welt ohne Grenzen und Kontrollen. Aber ich verstehe auch das Bedürfnis nach Sicherheit und Ordnung im eigenen Land. Im Philipperbrief im Neuen Testament spricht der Apostel Paulus von einem sogenannten ‚Bürgerrecht im Himmel‘. Der Himmel – das ist der Ort, wo Gott ist. Ein Ort ohne Tränen und ohne Schmerzen - ja, und eben ohne Grenzen. Ich will diesen Hinweis nicht nur als Vertröstung auf ein danach verstehen: ein bisschen Himmel auf Erden kann es doch bitte jetzt schon geben... Und wenn ich auch die oft unbarmherzigen Grenzen zwischen Staaten und Kulturen und am Flughafen bei der Abfertigung nicht abschaffen kann, so will ich mir doch vorstellen, dass wir alle dies jetzt schon miteinander teilen: einen Himmelspass, ein Bürgerrecht im Himmel, dass uns als Menschen miteinander verbindet.