Es braucht nicht viel, damit jemand sich verletzt fühlt. Manchmal reicht ein Satz, ein Wort oder nur ein bestimmter Tonfall.
Wie schnell das passieren kann, zeigt eine kleine Begebenheit, die mir neulich eine Kollegin aus der Kita erzählt hat.
Am Nachmittag saß sie mit einigen Kindern bei der Vesper. Es war einer dieser ruhigen Momente, in denen gegessen und nur wenig geredet wird.
Zwei Mädchen saßen nebeneinander. Die eine fragte plötzlich: „Sind wir jetzt wieder Freundinnen?“
Die Antwort kam sofort: „Nein.“
Das Mädchen fragte nach: „Warum nicht?“
Und die andere sagte: „Du nervst.“
Das Mädchen war sichtbar getroffen. Und auch die anderen Kinder merkten, dass hier gerade etwas passiert war, das wehtut.
Was macht man in so einem Moment?
Man könnte das Gesagte sofort korrigieren. Man könnte versuchen zu vermitteln, zu erklären, zurechtzuweisen oder das Verhalten anzusprechen.
Meine Kollegin hat etwas anderes gemacht. Sie hat sich dem Mädchen zugewandt, das gerade zurückgewiesen worden war, und gesagt: „Ich freue mich, dass du da bist. Dass du hier mit uns am Tisch sitzt.“
Sie hat das ruhig gesagt, ohne großes Aufheben und ohne das andere Kind vor allen zu korrigieren. Das Gespräch mit dem anderen Mädchen hat sie später gesucht – in einem Moment, in dem dafür Raum war. Zuerst hat sie das verletzte Kind gestärkt, ohne das andere zu beschämen.
Mich hat diese Reaktion sehr berührt.
Manchmal braucht es gar nicht viel: einen Satz, der nicht bewertet, sondern stärkt, und einen Menschen, der an der Seite bleibt.
So begegnet auch Jesus den Menschen. Er stellt sich an ihre Seite – besonders dann, wenn sie verletzt oder ausgegrenzt sind. Und manchmal beginnt das mit einem ganz einfachen Satz: „Ich freue mich, dass du da bist.“