Viktoria Hellwig
08.09
2026
06:50
Uhr

Nicht ohne mein Engagement – Viktoria Hellwig

Evangelischer Rundfunkdienst Berlin

Ein Beitrag von Viktoria Hellwig
Dies ist eine Sendung aus der Staffel vom 07. – 13. September Alle Beiträge aus der Staffel finden sie hier:
Ein Mann in einem Park hält ein graues T-Shirt in der Hand. Er schaut ernst in die Kamera. Im Hintergrund sind Bäume und ein Gewässer zu sehen. Oben links befindet sich der Schriftzug "Armut - Eine Stimme geben".
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Nicht ohne mein Engagement – Thomas de Vachroi

Ein Mann mit einem schwarzen T-Shirt lächelt vor einer braun-rot gemusterten Mauer. Er hat mittellange, strähnige Haare, die zu einem Schnitt mit Pony gestylt sind. Der Hintergrund hebt die freundliche Ausstrahlung des Mannes hervor.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Nicht ohne mein Engagement – Lukas Pellio

Lukas Pellio
Ein lächelnder Mann mit grauen Haaren und Brille trägt ein grünes Hemd mit Mustern. Er steht im Freien vor einer grünen Kulisse aus Bäumen.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Nicht ohne mein Engagement – Klaus-Dieter Ehmke

Eine Person mit blonden, kurzen Haaren spricht am Telefon. Sie sitzt an einem Schreibtisch, auf dem ein Laptop und ein Notizbuch liegen. Im Hintergrund ist ein hölzernes Kreuz und einige Bücher zu sehen.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Nicht ohne mein Engagement – Christiane Shreve

Früher gehörten Gerichtsshows zum Nachmittagsprogramm im Privatfernsehen. Richterin Barbara Salesch, Richter Alexander Hold, aufgeregte Zeuginnen und Zeugen, dramatische Wendung am Ende, dann wusste man, wer schuldig war. Ich fand das faszinierend: Gericht, das schien damals vor allem eines zu sein: ziemlich viel Drama und ziemlich schnelle Urteile. 

Heute sitze ich selber regelmäßig in einem Gerichtssaal – als sogenannte Laienrichterin, als Schöffin. Zusammen mit einem Berufsrichter und einer Mitschöffin entscheide ich über Fälle, bei denen es um Menschen und ihre Lebensgeschichten geht. Und natürlich ist die Wirklichkeit sehr viel weniger spektakulär als im Fernsehen. Vor allem aber ist sie komplizierter. Da sitzen keine Laienschauspieler, sondern Menschen mit ihren ganz individuellen Geschichten, Entscheidungen, ihren Fehlern. Und es gibt dabei selten den einen Moment, nach dem alles eindeutig ist. 

Als Schöffin lerne ich immer wieder, wie wichtig es ist, genau hinzusehen. Genau zuzuhören, bevor man urteilt. Unterschiedliche Perspektiven auszuhalten. Sich ein eigenes Bild zu machen und dabei nicht zu vergessen, dass hinter jeder Akte ein Mensch steht. Das ist manchmal anstrengend. Vor allem ist es eine große Verantwortung, denn ein Urteil kann das Leben eines Menschen verändern. 

Bei den kommenden Wahlen in Berlin werden Menschen darüber entscheiden, wem sie zutrauen, Verantwortung für die Stadt zu übernehmen. Gerade in großen Städten kennen wir die Kandidierenden selten genau und persönlich. Wir kennen bestenfalls ihre Programme, ihre öffentlichen Auftritte und Positionen. Wir hören Versprechen und Debatten. Auch hierbei gilt: Die Wirklichkeit ist komplizierter als das Fernsehen. 

Demokratie lebt deshalb nicht nur davon, dass wir wählen. Sie lebt davon, dass Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – für andere und für das Gemeinwohl. Oft neben Beruf und Familie. 

In der Bibel beim Propheten Micha heißt es: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir erwartet: nichts anderes als dies: Recht tun, Güte lieben und achtsam mitgehen mit deinem Gott.“ 

Das wäre ein tolles Schlusswort für jede Verhandlung: Recht tun. Güte lieben. Achtsam sein. 

Wir haben die Möglichkeit mitzuentscheiden, wie wir miteinander leben wollen – und Verantwortung dafür zu übernehmen.