Schreiben Sie Tagebuch? Ich mache es zwar nicht regelmäßig, aber doch ab und zu. Mir hilft es, Dinge zu verarbeiten, die entweder total schön waren oder mich furchtbar aufgeregt haben. Das wohl berühmteste Tagebuch der Welt ist ein Zeugnis des Grauens – und zugleich ein Manifest der Hoffnung. Anne Frank schrieb es in Zeiten des Zweiten Weltkrieges, versteckt hinter einer Bücherwand und in ständiger Lebensgefahr. In ihrer Wirklichkeit war Freiheit ein Luxus, den man sich nicht leisten konnte. Doch ihr Herz blieb erstaunlich hell. Heute vor 81 Jahren wurde sie verhaftet. Eine Verhaftung, die sie das Leben kostete.
In ihrem Tagebuch schrieb sie: „Wie wunderbar ist es, dass niemand einen Moment warten muss, bevor er anfängt, die Welt zu verbessern." Was für ein Satz! Und dann noch dieses kleine, aber jubelnde Wort „wunderbar"… Es sticht mir ins Auge und irritiert mich. An Wunder glauben in ihrer Situation? Eingesperrt in einem Hinterhaus, jeden Tag in Angst vor Entdeckung? An anderer Stelle heißt es: "Es ist ein Wunder, dass ich all meine Hoffnungen noch nicht aufgegeben habe, denn sie erscheinen absurd und unerfüllbar. Doch ich halte daran fest, trotz allem, weil ich noch stets an das Gute im Menschen glaube."
Trotz allem hofft sie. Ja, ein „trotzdem" oder ein „dennoch" sind solche kleinen Heldenwörter der Hoffnung. Wörter, die den Widrigkeiten trotzen. Eine Haltung der Zuversicht! Bei Anne Frank spürt man genau das: Was sie aufschreibt, dieses „trotzdem", ist eine zarte Rebellion gegen das Aufgeben. Während um sie herum die Welt in Hass und Gewalt versinkt, hält sie an der Überzeugung fest, dass Menschen sich ändern können, dass eine bessere Welt möglich ist.
Vielleicht finden auch Sie heute ein kleines „Trotzdem". Ein freundliches Wort in der U-Bahn, ein Lächeln im Stau. Ein Moment der Großzügigkeit, wo Geiz naheläge. Damit zünden wir Hoffnung an. Und wer weiß? Vielleicht ist auch das Teil der Weltveränderung, die Anne Frank sich erträumt hat.