An einem heißen Sommertag finde ich in der Stadt endlich eine kleine schattige Grünanlage, setze mich erschöpft auf eine Bank und genieße das Vogelgezwitscher. Da erscheint auf dem Weg eine kleine ältere Frau und nimmt neben mir Platz. Wir kommen ins Gespräch. Über die Rosen gegenüber und wie schön es ist, den Tag vom Balkon aus zu begrüßen. Wir sprechen auch über die vielen Kriege in der Welt. Da beginnt sie, mir von sich zu erzählen. Als 5-jähriges Mädchen hätte sie 1945 bei ihren Eltern im Bett geschlafen, als sich plötzlich die Türe öffnet, zwei bewaffnete Soldaten eintreten und die Eltern erschießen. Sie bleibt verschont, wird von Nachbarn gefunden und wächst später in einer Adoptivfamilie auf. Als sie mit ihrer Geschichte endet, lächelt sie und sagt, dass sie trotzdem viel Schönes erlebt habe. Sie erzählt dankbar von ihren erwachsenen Kindern, Freunden und vielen Reisen. Ihr Blick ist gütig und offen. Wir sind uns einig, dass fast jeder Mensch Schweres durchlebt. Wohl denen, die sich das Vertrauen den Menschen und dem Leben gegenüber bewahren können. Schlafen Sie behütet ein.
Bankgespräche
Ein Beitrag von
Christiane Voigt-Rensch