Jeden Sonntagabend las mir meine Mutter Geschichten vor. Eine hat sich mir sehr eingeprägt und sie fällt mir heute ein, weil Sonntag ist und ein Freund mich fragte: Bist du glücklich?
Als vor langer Zeit die Menschen geschaffen wurden, da wollten ihnen einige Kobolde einen Streich spielen, sie wollten den Menschen etwas wegnehmen, es verstecken und sie damit ärgern. Nur was sollte es sein? Sie entschieden sich für das Glück.
Gesagt, getan. Nun musste nur noch überlegt werden, wohin damit: Auf dem höchsten Gipfel der Welt, schlug einer vor. Nein, die Menschen haben Kraft, sie werden raufklettern und es finden.
Auf dem Meeresgrund, schlug ein anderer vor. Nein, sie sind neugierig, sie werden dorthin gelangen.
So ging es hin und her, bis einer vorschlug: Wir werden das Glück in ihnen selbst verstecken; sie werden so damit beschäftigt sein, es draußen zu suchen, dass sie es nie finden werden.
Seitdem ich diese Geschichte kenne, kämpfe ich dafür, dass die Kobolde nicht Recht behalten. Schlafen Sie gut!
Quelle: Das versteckte Glück, in: M. Miethe + D. Santos Díaz (Herausgeberinnen): Hab ich mir´s doch gleich gedacht. Geschichten und Reflexionen, Nidderau 2017, S. 90f.