Meine Schwester hat ein Händchen für Amaryllis, Sie wissen schon, diese dicken Knollen, die im Advent verkauft werden und dann zu Weihnachten in voller Blüte steht.
Man kann auch nur die Blüten kaufen, die haben so dicke Stängel, dass man ab einer Anzahl von drei kaum noch eine passende Vase findet.
Meine Schwester hat ein Händchen dafür, sie schmeißt die Knollen nicht weg, sondern bringt sie noch einmal zum Blühen.
„Im Erker blüht die Amaryllis.
Ich liebe sie, weil sie so still ist.“
Obs meiner Schwester geht, wie Mascha Kaléko, die diesen Schüttelreim einst dichtete?! Schließlich ist sie Mutter von zwei Jungs, da ist es nicht unwahrscheinlich, dass ihr die Stille der Amaryllis gut gefällt.
Und gerade blühen ihre Amaryllis auch. So als wäre Ende April nochmal Weihnachten.
Warum eigentlich nicht? Die Sache mit Jesu Geburt und der Hoffnung und dem vielen Licht, tut doch den meisten gut. Ich träum heut Nacht einfach davon, dass Gott uns nicht nur zu Weihnachten, sondern auch am 27. oder 28. April begegnen will.
Quelle: Mascha Kaléko: Feine Pflänzchen, München 72024, S. 18.