Jede oder jeder fünfte von uns hat im Jahr 2024 Hilfe in einer Notaufnahme gesucht. Kürzlich hat mich der Bericht einer Ärztin sehr berührt, die über ihren Alltag in der Notaufnahme einer Klinik schreibt. An einem Bett muss sie eine schwere Diagnose mitteilen, im nächsten Bett liegt eine Verletzte, die angeblich gegen eine Tür gelaufen ist, draußen randaliert ihr Partner. Es kommt eine Patientin mit Bauchschmerzen, die eigentlich nur einen Säureblocker braucht, aber wohl aus Einsamkeit öfter da ist. Nebenan wird ein schwer verletzter Motorradfahrer eingeliefert. Erstversorgung bedeutet, dass Zeit für ein Gespräch kaum möglich ist - ganz gleich, ob es um existenzielle Situationen oder emotionale Nöte geht. Das belastet Ärzte, Helfer und Patienten. Dazu kommen für die Patienten meist lange Wartezeiten. Negative Bewertungen der Klinik und des Personals im Netz erhöhen den Druck für alle. Aus den Zeilen der Ärztin lerne ich: Wir können nie wissen, was die Person neben uns gerade verkraften muss oder welche Probleme die Helfer gerade hinter den Kulissen lösen.
Ein Segen allen, die heute Nacht Dienst haben und uns allen eine geruhsame Nacht!
FAZ, 27.9.26 „Da schreib ich euch eine Scheiß-Bewertung...“