Es hat mich sehr nachdenklich gemacht: In Berlin leben fast 57 % aller Einwohner in Single-Haushalten. Eine junge Frau, die ich einmal gegen Mittag besuchte, sagte mir: Sie sind heute der erste Mensch, mit dem ich spreche. Sie hat einen kleinen Hund, der mich freundlich beschnuppert.
Aber ein Tier kann menschliche Nähe nicht ersetzen. Menschen brauchen Beziehungen, Gespräche, Menschen, mit denen sie sich austauschen. Das schaffen die meisten, so lange sie noch Kraft haben, aufeinander zuzugehen. Wenn man mehr und mehr vereinsamt, klappt das nicht mehr.
Die Dichterin Rose Ausländer spricht in Kurzgedichten einfache bewegende Wahrheiten aus. Sie selbst lebte die letzten 10 Lebensjahre allein meist bettlägerig in einem Zimmer in einem jüdischen Altersheim in Düsseldorf.
Wir wohnen/
Wort an Wort/
sag mir/
Dein liebstes/
Freund/
Du
Und ein anderes:
Wenn ich bedenke
es gibt die Worte
wir
schön
zusammen
Ich möchte sie mit dir teilen.
Miteinander reden, Beziehungen aufbauen, aus dem Einsiedlergehäuse herauskommen, das ist lebenswichtig. Wo Menschen einander begegnen, zuhören und füreinander da sind, da lebt manchmal unbemerkt Gottes Segen.
Rose Ausländer, „Wort an Wort“, verfügbar unter: www.deutschelyrik.de/wort-an-wort.html abgerufen 13h 27, 25. 6. 2026