Ich geb’s zu: Manchmal kommt der rettende Einfall für meine Predigt am nächsten Tag recht spät. Heute war es wieder so weit.
Als ich mit meinem Hund die Abendrunde gedreht habe, um noch einmal ernsthaft über den Ernst der Nachfolge nachzudenken, ist mir wenig Kluges eingefallen.
Die Straße hinauf habe ich mich an ein Seminar erinnert, das ich vor viel zu vielen Jahren einmal besucht habe – und in dem der Professor auf jeden Fall etwas Kluges dazu zu sagen hatte.
Und die Straße hinunter ist mir die heute neunzigjährige, elegante und energische Dame eingefallen, der ich in meinem Vikariat begegnet bin. Als eine der ersten Frauen im Pfarramt durfte sie sich zwar nicht Pfarrerin nennen, wusste aber mit ganzem Herzen, dass Nachfolge Haltung erfordert – und kein Geschlecht.
Als ich die Haustür aufschließe und mein Hund es sich kurz darauf mit seinen dreckigen Pfoten auf den Skizzen meiner verworfenen Predigt gemütlich macht, weiß ich, was ich morgen erzählen werde:
Ich werde von Maria erzählen – von Maria, die sich zu den Füßen Jesu setzte und ihm zuhörte, obwohl die Tradition etwas anderes von ihr verlangte.
Schlafen Sie gut! Und werden Sie nicht müde, Ihren Träumen zu folgen!