Wenn der Herbst kommt, dann beginne ich zu warten. Auf den Wind, von dem man sagt, dass er irgendwann kommen wird. Fast jeden Abend stehe ich am Fenster und lausche, ob das Rauschen in den Wipfeln der Bäume schon die Herbststürme sind, die auch die letzten Farben mitnehmen und den Sommer weitertreiben. Es ist, als ob die Winde meine Ernte vom Sommer an andere Orte trägt, wo sie wie Muscheln erneut gesammelt werden kann. Erinnerungen an lange Sonnentage. An Kapuzenpullis, die nach Lagerfeuer riechen und ein leises Rauschen von Wellen am Strand. Kaum zu unterscheiden vom Rauschen der Bäume, mit denen der Herbst sich in großen Böen ankündigt. Doch der Herbst nimmt nicht nur meine blauen Sommergedanken mit, er bringt auch etwas. Abende voller Kerzen und knisternden Kaminfeuern. Gedichte, die Gedanken aus allen Zeiten zusammentragen und für einen Augenblick bei mir ablegen.
Vielleicht trägt der Wind manches davon weiter zu einem Menschen, der gerade so eine Erinnerung braucht und bringt mir, was mir gerade fehlt.
Und so stehe ich am Fenster und höre den Wind kommen. Ich lasse ihn ziehen. Denn nicht alles, was fortgetragen wird, ist verloren. Manches reist nun weiter.
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