Ich verreise gerne. Im Sommer waren meine Familie und ich in der Normandie. Wir haben Urlaub ganz nach unseren Bedürfnissen gemacht und dabei oft die Orte mit vielen Touristen gemieden. Bis auf ein Mal: Wir waren in Giverny, dem letzten Wohnort des französischen Malers Claude Monet. Sein Haus ist von einem wunderschönen Garten umgeben, den ein Bachlauf und mehrere Bassins durchziehen, über die Brücken gebaut sind. All das hat Monet selbst entworfen oder sogar selbst gebaut. Beeindruckend, besonders für mich.
Gerade Brücken finde ich nämlich besonders reizvoll. Nicht nur architektonisch schön.
Ich denke da vor allem an die Brücken, die keine bauliche Meisterleistung sind, sondern eine soziale. An Brücken zwischen uns, als unsichtbare Verbindung von einem Menschen zum anderen. Es ist nur so: Eine Brücke kann in die Jahre kommen, sie wird brüchig oder irgendwann vielleicht unbegehbar.
Es mag etwas seltsam klingen, wenn ich sage, dass gerade solche Brücken Pflege brauchen, um sie zu erhalten. Manchmal denke ich darüber nach, wie viele Verbindungen zu anderen Menschen ich nicht erhalten habe oder nicht erhalten konnte. Ich habe es schlicht nicht geschafft, mich häufig genug bei ihnen zu melden, und manchmal habe ich schon ganz vergessen, dass es sie überhaupt gibt. Doch irgendwann, durch einen Zufall, erinnere ich mich dann doch an sie. Meist mit großem Bedauern über die verlorene Verbindung.
Was ist es nur, dass solche wertvollen Verbindungen zerstören kann? Sicher ein Mangel an Zeit, die man eben nicht investiert, um Kontakt zu halten. Und manchmal vielleicht die einfache Ausrede, jemand anderes hätte sich ja auch mal melden können, was er oder sie aber nie tat.
Die Brücken im Garten von Giverny, sie werden akribisch gepflegt, auch weil Tausende von Menschen sie jeden Tag nutzen.
Sollte man nicht auch seine Kontakte wie solch wertvolle Brücken pflegen, bevor der Weg zu einem anderen für immer endet?