29.11
2025
06:50
Uhr

Der erste Phonograf

Träume aufzeichnen

Ein Beitrag von Ulrike Kostka

Eines meiner eindrücklichsten Erlebnisse meiner Kindheit war, als mir ein Freund, er heißt Markus, ein Tonbandgerät zeigte und meinte, damit könnte er Träume aufzeichnen. Wir waren vielleicht 8 oder 9 Jahre alt. Markus war sehr fantasievoll. Mit dieser Aussage hat er meinen Kumpel Martin und mich total beeindruckt. Lange habe ich ihm geglaubt und hatte große Ehrfurcht vor ihm. 

1877 hat Thomas Edison an einem 29. November den ersten Phonografen vorgestellt, eines der ersten Tonaufnahmegeräte. Damit hat er ein Stück die Welt verändert. Er hat die Musik oder Worte in die Häuser der Menschen gebracht. Musik, Worte und ganze Reden konnten aufgezeichnet und wiedergegeben werden. Mit den Träumen hat es zwar nicht funktioniert, aber dafür sind traumhafte Hörwelten entstanden. Kunst und Worte konnten verbreitet werden. Der öffentliche Rundfunk hat darin eine seiner Quellen. 

Ich liebe es noch heute, beim Autofahren oder im Zug etwas zu hören und damit durch die Landschaft zu fahren. Die aufgezeichneten Töne ermöglichen es uns abzutauchen, zu genießen und ganz bei uns zu sein. Manche drehen den Ton am liebsten laut auf, andere lieben eher die leisen Töne. Einfach mal hinzuhören, sich nicht nur berieseln zu lassen, sondern sich den Tönen oder Worten hinzugeben, kann ein richtiger Genuss sein. Dankbar bin ich allen, die diese Hörwelten erschaffen – auch Euch im Radio. Wahrscheinlich hatte mein Kinderfreund Markus ein gutes Gespür. Erst Tischler gelernt, ist er jetzt für Kinder und Jugendliche da, die es schwer im Leben haben. Hinhören war schon immer seine Stärke. Ich wünsche Ihnen in der kommenden Adventszeit immer wieder Muße zum Hinhören.