Das Bild zeigt ein Wandgemälde einer Frau mit einer Zigarette in der Hand. Sie schaut direkt nach vorne. Neben ihr steht der Text: "Niemand hat das Recht zu gehorchen."
14.10
2026
06:50
Uhr

Hannah Arendt

und der Begriff der "Natalität"

Ein Beitrag von Magdalena Kiess
Dies ist eine Sendung aus der Staffel vom 12. – 18. Oktober Alle Beiträge aus der Staffel finden sie hier:
Eine Holzregalwand zeigt verschiedene Kupferküchenutensilien, darunter Töpfe, Pfannen und Backformen. An einer Seitenwand sind weitere Kupfergefäße in Regalen angeordnet. Die Anordnung vermittelt ein nostalgisches Küchendesign und erinnert an traditionelle Kochmethoden.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Heilige Theresa von Avila

Magdalena Kiess
Die Medaille zeigt die Heilige Hedwig, Herzogin von Schlesien, in einem detailreichen Relief. Sie hält ein Buch in den Händen, während im Hintergrund eine stilisierte Kirche zu sehen ist. Umrandet wird das Bild von ihrem Namen und Titel in geschwungenen Buchstaben.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

St. Hedwig

Das Bild zeigt das Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle, gemalt von Michelangelo. Es stellt biblische Szenen dar, insbesondere die Schöpfung und das Jüngste Gericht, mit zahlreichen Figuren, die verschiedene emotionale Zustände und dynamische Posen einnehmen. Die Farben sind lebhaft und kontrastreich.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Der Internationale Tag zur Beseitigung der Armut

Heute vor 119 Jahren wurde Hannah Arendt geboren, eine der bedeutendsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie musste vor den Nazis fliehen, wurde zur Verfolgten – und blieb eine der schärfsten Beobachterinnen ihrer Zeit. Berühmt wurde sie mit ihrem Begriff von der „Banalität des Bösen": der Erkenntnis, dass Grausamkeit manchmal aus Gedankenlosigkeit entsteht. Von Menschen, die nur noch funktionieren und nicht mehr selbst denken. Und nicht mehr mitfühlen.

Weniger bekannt, aber genauso wichtig, ist ein anderer Gedanke von ihr: die „Natalität". Arendt meinte damit, dass jeder Mensch durch seine Geburt die Fähigkeit mitbringt, etwas ganz Eigenes, Neues in die Welt zu bringen. Jeder Anfang, sagt sie, ist ein kleines Wunder – weil er etwas ermöglicht, das vorher nicht dagewesen ist. Für sie war das eine zutiefst hoffnungsvolle Idee: Die Geschichte ist nicht festgelegt. Menschen können immer wieder neu anfangen, selbst dort, wo alles aussichtslos scheint. Das ist bemerkenswert von einer Frau, die selbst erlebt hatte, wie eine ganze Gesellschaft in Hass und Vernichtung abrutschen konnte – und die trotzdem nicht aufhörte, an die Möglichkeit des Neuanfangs zu glauben.

Neuanfänge gibt es auch oft in der Bibel. Siehe, ich mache etwas Neues. Schon sprießt es, seht ihr es nicht, steht da zum Beispiel Mal beim Propheten Jesaja (vgl. 43,19). Diese Worte gehen an ein Volk in der Fremde, das keinen Ausweg mehr sieht – und dem Gott einen Ausweg verspricht, einen Neuanfang. Ähnlich wie bei Arendt geht es auch hier um die Fähigkeit, immer wieder neu zu beginnen, egal wie festgefahren eine Situation scheint.

Wo in Ihrem Leben könnte heute ein kleiner Neuanfang stattfinden? Es muss nichts Großes sein. Manchmal reicht schon ein neuer Gedanke oder ein neuer Blick auf eine alte Geschichte.