Eine Person sitzt auf einem Stuhl, mit angezogenen Knien und Kopf auf den Armen. Sie wirkt nachdenklich oder traurig, umgeben von einem schlichten, hellen Raum mit zwei Fenstern, die Licht spenden. Der Boden ist aus Beton und die Atmosphäre wirkt isoliert.
04.11
2026
06:50
Uhr

Widerstand gegen Aufgaben

Jona

Ein Beitrag von Friederike Krippner
Dies ist eine Sendung aus der Staffel vom 02. – 08. November Alle Beiträge aus der Staffel finden sie hier:
Drei Frauen stehen Rücken an Rücken, tragen schwarze Oberteile und Jeans. Ihre Arme sind hinter dem Rücken verschränkt, wobei sie mit ihren Händen einen spielerischen Ausdruck zeigen. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Freundschaft und Zusammengehörigkeit.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Sisterhood als Widerstand

Friederike Krippner
Eine schwarze Frau sitzt allein auf einem Busplatz, nachdenklich aus dem Fenster schauend. Neben ihr sitzt ein Mann im Anzug, der in die entgegengesetzte Richtung blickt. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Spannungen und sozialer Trennung.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Sitzen bleiben als Widerstand

Friederike Krippner
Ein Mann steht mit dem Rücken zur Kamera und hält sein Gesicht mit beiden Händen bedeckt. Er scheint in einem Moment der Verzweiflung oder Traurigkeit zu sein. Der Hintergrund ist dunkel, was die emotionale Intensität der Szene verstärkt.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Widerstand als Klage

Friederike Krippner

Es gibt die kleinen Dinge des Lebens, auf die wir so gar keine Lust haben: Die komplizierte Arbeitsmail oder das Ausmisten des Kellers. Aber es gibt manchmal auch die großen Aufgaben, die uns das Leben ganz ungefragt stellt: Bewerbungen schreiben, nachdem einem der Job gekündigt wurde. Für Kinder da sein müssen nach einer traurigen Trennung. Für alte Eltern Sorge tragen neben einem vollen Arbeitsleben.
Menschen sind disziplinierte Wesen und erledigen das alles meistens. Aber manchmal ist der innere Widerstand so groß, dass wir am liebsten fliehen würden.

In der Bibel ist Jona der Meister des Weglaufens. Jona kriegt von Gott einen Auftrag: Er soll Menschen in der Stadt Ninive ein göttliches Strafgericht ankündigen. Jona will das aber nicht und versucht mit einem Schiff zu flüchten. Gott lässt daraufhin einen schlimmer Sturm aufziehen. Die verzweifelten Seeleute auf dem Schiff finden in Jona den Schuldigen für diesen Sturm und werfen ihn über Bord. Und wieder ist Gott da. Er schickt einen großen Fisch, der Jona ganz verschluckt. Drei Tage und drei Nächte sitzt Jona im Dunkeln und im Gestank des Fischbauchs. Dann betet er zu Gott. Schließlich spuckt der Fisch ihn an Land.

Gott gibt Jona den Auftrag noch einmal. Und dieses Mal endlich geht Jona nach Ninive und kündigt der Stadt das göttliche Strafgericht an. 
Gut für Ninive: Denn die Bewohner der Stadt tun auf diese Nachricht hin Buße und werden verschont. Schlecht für Jona: Denn der steht nun als falscher Prophet da. Weinerlich legt er sich vor die Stadttore. Aber Gott bleibt bei ihm und lässt über Jona eine Pflanze wachsen. Als sie verdorrt, ist Jona traurig. Da fragt Gott ihn, ob er, Gott, nicht Mitleid mit den Menschen in Ninive haben dürfe, wenn Jona schon um eine einzelne Pflanze trauere.
Jona ist wirklich kein Held. Er flieht vor seiner Aufgabe, bleibt stumm und hadert selbst noch, nachdem er endlich getan hat, was er tun musste. Gott aber bleibt da. Er schubst Jona wirklich ziemlich in seine Aufgabe hinein. Aber er lässt ihn nie allein.

Und das ist doch ein großer Trost: Mag man ihnen auch nicht entfliehen können, man muss die Aufgaben des Lebens nicht alleine meistern. Die Kleinen nicht. Und vor allem die Großen nicht.