Ich sage es gleich. Ich habe keinen grünen Daumen. Ich mag Pflanzen sehr. Doch bei mir sind bisher alle verdurstet. Und selbst Kakteen, die angeblich fast alles überleben, habe ich schon zu Tode gegossen. Trotzdem mag ich besonders Kakteen als Zimmerpflanzen. In Südeuropa wachsen sie dagegen wie Sträucher, riesig und überall.
Im Urlaub ist mir eine besonders aufgefallen. Sie war mehrere Meter hoch, mit armdicken Trieben und voller Stacheln. Sie hatte eine faustgroße Blüte - wunderschön. Dieser Kaktus wurde mir zum Sinnbild. Wie oft fühlt sich unser Alltag nur stachelig an.
Selbst in den Sommermonaten, wenn die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und die Blumen blühen, selbst dann schauen wir oft nur auf die Dornen in unserem Leben. Es kann leicht passieren, dass unser Blick immer nur auf das Stachlige fällt: die Traurigkeiten, die Alltagsprobleme, den Verlust, die Zweifel.
Dabei gibt es sie auch: die Blüten. Ein freundliches Wort. Ein unerwartetes Wiedersehen. Ein Moment der Ruhe. Ein Mensch, der für uns da ist. Oft sind sie kleiner als die Stacheln. Aber sie sind da.
Als Kind hatte ich einmal einen kleinen Kaktus mit künstlichen Blüten. Ich dachte damals: Eine witzige Idee – denn meine Kakteen blühen ja sowieso nie. Erst jetzt, im Urlaub, habe ich gesehen, dass diese Blüten der Natur tatsächlich nachempfunden waren.
Im Urlaub kam ich immer wieder an der großen Kaktee vorbei. Bevor die wunderschöne Blüte langsam ihre Strahlkraft verlor, sah ich schon eine weitere Blüte am Kaktus, die sich langsam öffnete.
Manchmal übersehen wir das Positive oder vergessen das, was wir schon in unserem Leben Gutes erfahren haben. Kein Kaktus hat so viele Dornen, dass eine Blüte nicht hindurch kommen könnte!
Möge Gott uns die Augen für die Blüten schenken. Der Glaube lässt uns dankbarer durch das Leben gehen. Er öffnet unseren Blick für das Schöne.
pexels.com, David Brown