Vier Seesterne mit stacheligen Oberflächen liegen verstreut im flachen Wasser am Strand. Ihre Farben variieren von Rosa bis Rot. Der Sand ist leicht nass von den Wellen, die sanft gegen die Küste plätschern.
05.08
2026
06:50
Uhr

Seestern – von der Sinnhaftigkeit

Ein Beitrag von Andreas Fahnert

Ich gehöre nicht zu den Muschelsammlern. Aber wenn ich am Ostseestrand spazieren gehe, halte ich trotzdem Ausschau nach kleinen Schätzen. Vielleicht liegt da ja ein besonderes Holz, einen Hühnergott, oder sogar mal einen Bernstein – ja, auch eine schöne Muschel heb ich auf. Und mir kommt die alte Geschichte in den Sinn:

Ein alter Mann beobachtet vor sich einen jungen Mann am Strand, der Seesterne aufhebt und ins Meer wirft. Schließlich fragt der Alte, warum er das denn tue. Der junge Mann antwortet, dass die gestrandeten Seesterne sterben, wenn sie bis Sonnenaufgang hier liegen bleiben. „Aber der Strand ist kilometerlang und tausende Seesterne liegen hier. Was macht es also für einen Unterschied, wenn Du Dich abmühst?“, sagt der alte Mann. Der junge Mann blickt auf den Seestern in seiner Hand und wirft ihn in die rettenden Wellen. Er schaut den alten Mann an und sagt: „Für diesen hier macht es einen Unterschied.“[1]

Ich mag diese hoffnungsvolle Geschichte. Ich gebe zu, ich verstehe den alten Mann sehr gut. Es gibt so viele Probleme. So viele Krisen. So vieles, was uns Sorgen macht. Da wirkt das eigene Tun manchmal verschwindend klein.

Und dann erlebe ich aber junge Menschen, die über ihren ökologischen Fußabdruck nachdenken und überlegen, wann sie eine Flugreise machen oder aus Verantwortung lieber verzichten. Andere setzen sich in unserem Kirchenparlament dafür ein, dass bei den Tagungen eine Mahlzeit nur vegetarisch sein soll, um als Delegierte ein Zeichen zu setzen. Und aktuell sind einige Jugenddelegierte engagiert, eine Kampagne gegen Alltagsrassismus zu starten – in meiner Kirche. Kleine Schritte und Zeichen, die nicht die Welt verändern. 

Sie erinnern mich daran, dass Veränderung fast immer klein anfängt. Mit einer Entscheidung. Mit einem ersten Schritt. Mit einem Menschen, der sagt: Ich tue, was ich kann.

Martin Luther wird der Satz zugeschrieben: Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. Hoffnung zeigt sich nicht erst im großen Erfolg. Hoffnung zeigt sich darin, dass wir heute das Richtige tun.

Übrigens, Seesterne aufheben und ins Wasser werfen ist keine Altersfrage. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

 


[1] Erzählt nach William Ashburn: https://www.rosi-g.de/files/SeesternGeschichte.pdf Die Seestern-Geschichte. Verfügbar unter: (zuletzt abgerufen 24.7.26)