Ein Reiter in einer braunen Jacke und einem Hut sitzt auf einem schwarzen Pferd und reitet einen schmalen, grünen Pfad durch einen bewaldeten Bereich mit frischen, grünen Bäumen und Wiese. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Ruhe und Natur.
04.08
2026
06:50
Uhr

Sein statt Haben

Märchen Hans im Glück

Ein Beitrag von Andreas Fahnert

Ehrlich gesagt: Das Märchen Hans im Glück habe ich nie verstanden. Da arbeitet einer jahrelang für einen Klumpen Gold. Dann macht er eine Reihe von Tauschgeschäften – erst gegen ein Pferd, dann das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans, die Gans gegen Schleifsteine und die fallen ihm in den Brunnen. Am Ende steht er mit leeren Händen da. Und ausgerechnet dann sagt er: „So glücklich wie ich [...] gibt es keinen Menschen unter der Sonne.“ Mit leichtem Herzen und frei von aller Last ging er nun fort, bis er daheim bei seiner Mutter angekommen war.[1]  Für mich war das immer eine komplette Verlustgeschichte. 

Erst später habe ich gemerkt, worauf das Märchen hinauswill. Hans selbst empfindet jeden Tausch als Gewinn. Nicht, weil er reicher wird, sondern weil ihm etwas leichter wird. Hans geht mit leichtem Herzen durch das Leben. 

Jedes seiner Tauschgeschäfte steht für einen Lebensabschnitt. 

Worin liegt nun der Schlüssel zum Glück?

Hans kann das Alte loslassen. Er hatte einen Klumpen Gold ehrlich verdient. Doch dann wurde ihm der Klumpen eine Last. Also trifft er eine Entscheidung. Und kann den belastenden Klumpen gegen ein Pferd eintauschen. Und statt zu Fuß etwas zu schleppen, kann er nun auf seiner Lebensreise weiterreiten. 

Lange habe ich beim Lesen nur auf das geschaut, was Hans verliert. Das Märchen schaut auf das, was er gewinnt: ein leichtes Herz. Was ist wichtiger: Haben oder Sein – besitzen oder leben?

Und noch einen 2. Schlüssel zum Glück sehe ich in dem Märchen. Für den Klumpen Gold hätte Hans auf einem Markt sicher viel mehr bekommen. Hätte, hätte, Fahrradkette. Hans war aber nicht auf einem fernen Markt. Hans war, wo er war – auf der Straße. Die Kunst ist, die Situation, in der ich bin, jetzt so anzunehmen. Er wartet nicht ewig und leidet unter der Last und träumt von einem fernen Markt. 

Hans ermutigt uns, Altes loszulassen und Neues zu wagen. Auch wenn wir Liebgewordenes aufgeben. Christlich ausgedrückt: Jesus sagt: „Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt?“[2] Ich wünsche Ihnen einen Tag mit leichtem Herzen.

 


[1] Märchenbrause. Hans im Glück | Vollständiger Märchentext. https://www.maerchenbrause.de/maerchen/hans-im-glueck (zuletzt abgerufen 24.7.26)

[2] Matthäus 16,26 Einheitsübersetzung.