Zwei Hände halten sich fest. Eine Hand greift die andere, symbolisiert Unterstützung und Verbindung zwischen den Personen. Der Hintergrund ist verschwommen, wodurch die Berührung in den Fokus rückt.
19.08
2026
06:50
Uhr

Lassen Sie sich Zeit, ich habe sie

Ein Beitrag von Regina Harzdorf
Dies ist eine Sendung aus der Staffel vom 17. – 23. August Alle Beiträge aus der Staffel finden sie hier:
Nahaufnahme einer Mücke, die auf einem hellen Hintergrund sitzt. Die Mücke hat lange Beine und einen schmalen Körper, mit auffälligen Fühlern. Die Bildkomposition hebt die Details des Insekts hervor.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Das Kleine ernst nehmen

Regina Harzdorf
Ein Rucksack mit buntem Blumenmuster liegt auf dem Boden. Daneben befindet sich eine Jeans. Der Hintergrund zeigt einen Stuhl und einen Korb, was eine gemütliche Räumlichkeit vermittelt.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Mitten im Dazwischen

Regina Harzdorf
Ein abstraktes Bild einer hellen, glatten Oberfläche, auf der feine, braune Risse und Adern verlaufen. Die Risse sind unregelmäßig und verleihen der Fläche eine interessante Textur und Tiefe. Die Farbkontraste zwischen dem Hellgrau und dem Braun sind deutlich sichtbar.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Kostbar trotz Rissen

Regina Harzdorf

Ich stehe an der Supermarktkasse. Vor mir sucht eine ältere Frau in ihrem Portemonnaie nach Kleingeld. Es dauert. Hinter mir wird ungeduldig geseufzt und auch ich spüre den Impuls, irgendwie zu helfen, damit es schneller geht.
Da sagt die Kassiererin ganz ruhig: „Lassen Sie sich Zeit. Ich habe sie.“
Mit einem Satz verändert sich die Stimmung. Die Frau lächelt erleichtert. Das Seufzen verstummt und niemand drängelt mehr oder verdreht die Augen. Für einen Moment haben alle Zeit.
Das ist Menschlichkeit im Kleinen.
Heute, am 19. August, erinnert der Welttag der humanitären Hilfe daran, wie lebenswichtig Menschlichkeit im Großen ist – überall dort, wo Menschen unter Krieg, Katastrophen und Not leiden.
Dieser Tag erinnert an Menschen, die in Krisengebieten Verletzte versorgen, Lebensmittel verteilen und Menschen beistehen, die alles verloren haben. Oft unter Bedingungen, die ich mir kaum vorstellen kann. Nicht wenige riskieren dabei ihr eigenes Leben.
Die Haltung, die dahintersteht, beginnt oft im Kleinen – mitten im Alltag.
Menschlichkeit beginnt genau dort, wo wir sind: im Treppenhaus, im Wartezimmer, im Straßenverkehr, am Telefon. Oder eben an der Supermarktkasse.
Dort, wo ich einem Menschen das Gefühl geben kann: Du bist nicht allein. Ich sehe dich und ich lasse dich nicht untergehen.
Genau so erzählt Jesus in der Bibel von einem Fremden, der anhält und einem Verletzten hilft, während andere weitergehen: Der barmherzige Samariter. Er fragt nicht, wer der andere ist oder ob sich die Hilfe lohnt. Er hilft, weil er gebraucht wird.
Humanitär heißt: dem Menschen dienen. Humanitäre Hilfe rettet Leben. Sie beginnt aber oft viel früher, als man denkt: mit einem Blick oder einem offenen Ohr, mit einem Menschen, der einem anderen Zeit schenkt.
Für mich zeigt sich darin etwas von Gottes Menschenfreundlichkeit.
Und manchmal beginnt diese mit einem einfachen Satz: „Lassen Sie sich Zeit. Ich habe sie.“