Was tun Sie nach dem Aufwachen? Gleich Beten? Vermutlich nicht. Die meisten von uns sind froh, wenn erst einmal der Kreislauf in Schwung kommt. Gotteslob am frühen Morgen fällt da nicht gerade leicht. Wofür sollte ich auch zu so früher Stunde schon dankbar sein?
Einem Kollegen von mir aus dem 17. Jahrhundert fiel da so einiges ein. Paul Gerhardt. Der Theologe und Liederdichter war offenbar ein Frühaufsteher. Zumindest sind einige Morgenlieder von ihm überliefert.
In dem Lied „Lobet den Herren“ hat Paul Gerhardt Ideen wofür man gleich nach dem Aufwachen Danke sagen kann.
Wenn ich nach dem Nachtschlaf meine Augen wieder öffne, wenn die ersten Sonnenstrahlen meine Nase kitzeln und wenn der erste tiefe Atemzug getan ist, passt die 3. Strophe seines Liedes tatsächlich ganz gut:
Dass unsre Sinnen / wir noch brauchen können
und Händ und Füße, Zung und Lippen regen,
das haben wir zu danken seinem Segen. / Lobet den Herren!
Ja, ist doch auch wirklich großartig, dass nach dem Aufwachen alles an mir noch so funktioniert, wie vor dem Einschlafen. Paul Gerhardt wird in Strophe 4 noch konkreter: Lobet den Herren dafür…
…dass Feuerflammen / uns nicht allzusammen
mit unsern Häusern unversehns gefressen,
das macht's, dass wir in seinem Schoß gesessen.
Wahrlich, dass mein Haus nachts nicht abgebrannt ist, ein guter Grund für Dankbarkeit.
Und dann setzt Paul Gerhardt mit Strophe 5 noch einen drauf und ich staune, dass ich nicht selbst drauf kam, wofür man an einem friedlichen Sommermorgen mitten in Berlin oder am Rande von Brandenburg dankbar sein kann – auch direkt nach dem Aufwachen:
Lobet den Herren, dafür…
…dass Dieb und Räuber / unser Gut und Leiber
nicht angetast' und grausamlich verletzet,
dawider hat sein Engel sich gesetzet.
Mögen jene Engel, die nachts an unsern Betten sich dem Bösen widersetzten, auch an diesem neuen Tag an unserer Seite sein.