Eine ältere Frau sitzt in einem hellen Raum und spinnt Wolle. Sie trägt einen Kopfschmuck und lächelt freundlich. Neben ihr liegen Kissen und eine Schüssel. Durch das Fenster scheint Sonnenlicht und beleuchtet die Szene.
26.08
2026
06:50
Uhr

Spinnen

Ein Beitrag von Juliane Rumpel
Dies ist eine Sendung aus der Staffel vom 24. – 30. August Alle Beiträge aus der Staffel finden sie hier:
Eine Silhouette einer Person, die vor einem nebligen Gewässer kniet. Die Sonne scheint schwach hinter der Person und reflektiert im Wasser. Umgeben von Bäumen und Gras, vermittelt die Szene eine ruhige und nachdenkliche Atmosphäre.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Dankbarkeit

Juliane Rumpel
Eine Frau mit langen, dunklen Haaren steht im Freien, blickt nach oben und hat einen friedlichen Ausdruck. Ihre Hände sind in einer betenden Geste vor der Brust. Im Hintergrund sind verschwommene, grüne Pflanzen zu sehen, die eine natürliche Umgebung schaffen.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Challenge

Juliane Rumpel
Ein älterer Mann mit grauem Bart und traurigem Ausdruck lehnt an einem Balkon und blickt nach unten. Der Balkon ist mit bunten Blumen in Töpfen dekoriert, während einige Baugerüste im Hintergrund sichtbar sind.
Radio 3
Worte auf den Weg / Worte für den Tag

Balkondialog

Juliane Rumpel

Was können Spinnen für meinen Gemütszustand? Das fragte ich mich als Kind so ähnlich, wenn meine Oma sagte: „Spinnen am Morgen bringt Kummer und Sorgen.“

Ich verstand überhaupt nicht, was die kleinen Krabbeltiere mit meinem Leben zu tun haben sollten. Erst als ich größer war, lernte ich von Oma, dass es nicht um die, sondern um das Spinnen geht. „Weißt du“, sagte sie, „das Sprichwort beschreibt das Leben jener Menschen als kummer- und sorgenvoll, die mit Spinnen von Wolle ihren Lebensunterhalt verdienen müssen und deshalb schon früh am Tag damit beginnen.“ Sie erklärte auch, dass das Spinnen als abendlicher Zeitvertreib weniger problematisch ist: Spinnen am Abend, erquickend und labend.

Heute muss man diese Sprichwörter erklären. Früher verstand sie jeder. In dieser „früher“-Zeit, so im 17. Jahrhundert lebte auch ein dichtender Pfarrer, er hieß Paul Gerhardt.

Es war eine schwere Zeit. Europa versuchte sich von 30 Jahren Krieg zu erholen und viele Menschen mussten schon morgens spinnen oder andere harte Arbeit verrichten.

Viel Leid, Not und Tod hatten die Menschen gesehen, erleben, erlitten. Auch Paul Gerhardt hatte jung seine Frau verloren und vier seiner fünf Kinder waren verstorben.

Und trotzdem ziehen sich durch seine Lieder nicht Resignation und Bitterkeit, sondern Vertrauen. Er hielt bewundernswert fest am Glauben und vertraute darauf, dass Gott es gut meint und schützend an unserer Seite wirkt.

Davon zeugen seine zahlreichen Lieder, viele davon am Morgen zu singen, damals vielleicht am Spinnrad oder auf dem Feld, sicherlich nicht nur in der Kirche.

In seinem beeindruckenden Gotteslob, dem Choral „Lobet den Herren“ bittet er in der sechsten Strophe: 

O treuer Hüter, / Brunnen aller Güter,

ach lass doch ferner über unser Leben

bei Tag und Nacht dein Huld und Güte schweben.

Lobet den Herren!

 

Mich berührt diese Bitte. Sie erwartet kein sorgenfreies Leben. Sie vertraut darauf, dass Gottes Güte über unserem Leben schwebt – an guten und an schweren Tagen.

Möge diese schwebende Huld und Güte Gottes an diesem Tage für Sie spürbar werden.