Was würdest du eine Nacht lang im Dussmann machen, fragte das Berliner Kulturkaufhaus vor einigen Monaten seine Kundschaft. Über 4.000 Ideen gingen daraufhin ein, schließlich konnte man eine Nacht am Pfingstwochenende im Mai in dem bekannten Büchertempel gewinnen. Die originellen Vorschläge ließen dann auch nicht lange auf sich warten: „Einen riesigen Bücherturm vom Erdgeschoss bis in den 4. Stock bauen“, schrieb jemand. Eine andere Person gestand: „Ich glaube, ich würde erst einmal völlig durchdrehen und überwältigt durch alle Stockwerke rennen“. Ein Dritter: „Erst würde ich zwischen den Regalen entlangwandern, den Duft der Bücher einatmen und über die Buchrücken streichen.“
Doch wer gewinnen wollte, musste sich zunächst einer Aufgabe stellen: Stell dir vor, du erhältst die Chance im KulturKaufhaus zu übernachten. Welche Dinge würdest du mitnehmen? Was dürfte auf keinen Fall fehlen? Pack deinen Koffer und zeig ihn uns!
Mich fasziniert an der Idee, dass sie heutzutage fast wie ein Akt des Widerstands wirkt: gegen das Dauer-Scrollen am Handy. Gegen ständige Ablenkungen und permanentes Berieselt-werden.
Eine Nacht lang lesen fühlt sich anders an. Kein Termindruck. Keine To-do-Listen, kein „nur kurz mal eben“. Ein Buch darf einen festhalten, in andere Sphären entführen – so sehr, dass man Raum und Zeit vergisst. Sich in anderen Welten verliert – und doch ganz bei sich ist.
Auch in dem „Buch der Bücher“, der Bibel, spielt Lesen eine große Rolle, denn der Glaube beginnt mit einem Wort. Deshalb heißt es zu Beginn des Johannes-Evangeliums: „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott. (…) Alles ist durch das Wort geworden (…). In ihm war Leben (…)“ (Joh 1,1a.b,3a,4a).
Worte schaffen Wirklichkeit. Sie ordnen das Chaos, geben dem Unausgesprochenen eine Form. Wer liest, übt sich darin, zwischen den Zeilen zu lesen und feine Zwischentöne wahrzunehmen. Für das, was nicht sofort laut wird und Raum greift.