Ein lächelnder Mann mit kurzen, braunen Haaren trägt einen dunkelgrauen Anzug und ein hellblaues Hemd. Er steht vor einem neutralen, grauen Hintergrund und schaut direkt in die Kamera.
17.09
2026
06:50
Uhr

Nicht ohne mein Engagement - Christoph Schamberger

Ehrenamtlich in der Notübernachtung St. Pius in Berlin-Friedrichshain

Dies ist eine Sendung aus der Staffel vom 14. – 20. September Alle Beiträge aus der Staffel finden sie hier:

Guten Morgen, mein Name ist Christoph Schamberger und ich engagiere mich ehrenamtlich in der Notübernachtung St. Pius in Berlin-Friedrichshain. Warum und wie es dazu kam, möchte Ihnen heute Morgen erzählen. 

Vor einiger Zeit war ich sonntags in der Kirche. An diesem Tag wurde aus der Bibel ein Text vorgelesen, in dem Jesus uns allen die Frage stellt : Wann hast du mich – oder einen meiner geringsten Brüder – hungrig gesehen und ihm zu essen gegeben, oder durstig und ihm zu trinken gegeben? Wann hast du einen Fremden aufgenommen oder einem Nackten Kleidung gegeben? (vgl. Mt 25,31–46) Die Fragen haben mich ziemlich kalt erwischt, denn ich musste gestehen: „Noch nie!“ Hier in Berlin leben zehntausende Obdachlose. Wir kennen ihre Gesichter von unseren morgendlichen Wegen, und doch übersehen wir sie allzu oft und nehmen ihren Hunger und ihr Elend nicht mehr wahr. 

Nachdem ich die bohrenden Fragen von Jesus gehört hatte, habe ich beschlossen, meine Antwort von einem „Nein“ zu einem „Ja“ zu ändern. Seitdem helfe ich einmal pro Woche in der Küche der Notübernachtung, um ein Abendessen für 30 obdachlose Gäste zuzubereiten. Viel haben wir nicht, aber wir können ihnen das Gefühl geben, dass sich jemand um sie kümmert und sie sieht. Dass sie Teil der Gesellschaft sind. Und wir kommen ins Gespräch, ich kenne jetzt ihre Schicksale. Das erdet und macht mich ein Stück weit demütig.

Leider muss die Notübernachtung jedes Jahr zwischen April und Oktober schließen, weil dann kein Geld mehr zur Verfügung steht. In der Zwischenzeit helfe ich in der Bahnhofsmission am Hauptbahnhof, wo sich Obdachlose und andere Gestrandete tagsüber aufhalten können. Gerade im Sommer ist das ein wichtiger Ort der Abkühlung in der heißen Steinwüste Berlins. 

Eine Gesellschaft ist nur so gut, wie sie mit ihren Schwächsten umgeht. Wenn im September in Berlin gewählt wird, wünsche ich mir, dass wir auch diesen Aspekt in unsere Wahlentscheidung mit einbeziehen. Als Ehrenamtlicher wünsche ich mir ganz konkret, dass auch in den Sommermonaten mehr Übernachtungsplätze finanziert werden - insbesondere für ältere und kranke Obdachlose.