Wie die Weisen wollen wir den Stern am Himmel sehen.
Unter tausenden den richtigen Stern und mit ihm gehen.
Diese Zeilen aus einem Sternsingerlied sind Aussage und Frage zugleich.
Die Weisen aus dem Morgenland oder landläufig die „Heiligen Drei Könige“ haben sich – so schreibt es der Evangelist Matthäus – auf einen weiten Weg gemacht. Sie waren Forscher, Astronomen. Und der neue Stern gab an: Hier ist ein König geboren. Dem wollten sie ihre Aufwartung machen.
Also zogen sie prächtige Gewänder an, packten kostbare Geschenke ein – Gold, Weihrauch und Myrrhe – sattelten ihre Kamele, und los gings … auf einem unbekannten Weg zu einem unbekannten Ziel.
Nun sind die wenigsten von uns Sternkundige. Und so hoffen wir einfach, dass wir oder unsere Kinder und Enkel dem richtigen Stern, dem richtigen Idol folgen und nicht dem Rattenfänger von Hameln.
Die Wände meines Jugendzimmers hingen voll mit Postern der Bay City Rollers. Ich trug zu kurze Hosen mit karierter Borte dran, und auch die Jacke musste natürlich Karos haben.
Noch in der Grundschule war ich mal unbegleitet beim Friseur und kam mit einem Mirelle-Mathieu-Topfschnitt zurück. Ich fühlte mich schon fast berühmt.
Erst viel später entwickelte sich die Liebe zu anderen Idealen und Vorbildern. Zu Sternen, denen ich folgen wollte.
Auf einer Veranstaltung habe ich neulich genau diese Frage gestellt: Welcher Stern leitet dich? Erwartet hatte ich so etwas wie Verdienstmöglichkeiten, öffentliches Ansehen, Aufstiegschancen. Die Antworten lauteten aber: Meine Familie, die Gemeinschaft in unserem Verein, meine große Schwester.
Und jetzt frage ich Sie: Welcher Stern leitet Sie? Wer oder was bestimmt Ihren Lebensweg? Wem geben Sie Raum, und wem möchten Sie nacheifern?
Ich sehe meine Oma vor mir. Sie sitzt in einer Kittelschürze vor ihrem kleinen Haus auf einem alten Stuhl. Auf dem Schoß eine Schüssel mit Äpfeln aus dem Garten. Und sie lacht herzhaft. Sie liebt das Leben, und sie ist zufrieden. Das ist mein Stern. So möchte ich sein. Zufrieden.
Bleiben Sie behütet.