05.01
2026
06:50
Uhr

Zeit schenken

Geh, zu den Menschen, geh. Geh, bring den Segen.

Geh, zu den Menschen, geh. 
Geh, bring den Segen.

So singen die Sternsinger, wenn sie jetzt wieder von Tür zu Tür gehen, den Segen zu den Menschen bringen, Geld sammeln und sich so für notleidende Kinder einsetzen. 

Wann haben Sie sich zuletzt auf den Weg gemacht, zu Menschen, die sie vorher nicht kannten? Wo sind Sie engagiert und tätig für andere, für unsere Gesellschaft? 
Bundespräsident Steinmeier hat einen neuen Festtag erfunden. Der Tag des Ehrenamts soll dieses Jahr erstmals am 23. Mai stattfinden. Und ich frage mich: Brauchen wir das? 

Eine gute Freundin benutzt immer wieder eine schöne Formulierung: „Blickig sein“. 
Jemand, der sieht, was zu tun ist, der Aufgaben erkennt, bevor er dazu aufgefordert wird, ist blickig. Jemand, der die Not am Mann oder an der Frau erkennt und einfach zupackt, der ist blickig. Auch der, der auf andere zugeht und sagt: „Ich sehe, Ihr schafft das nicht alleine. Wie kann ich Euch unterstützen?“, der ist blickig. 
Also, ich finde, das ist ein tolles Ziel für das noch junge Jahr: blickig zu werden – falls man es nicht schon ist. 

Denn: Es fehlen blickige Menschen! Kleiderkammern und Tafeln müssen ihre Angebote reduzieren oder sogar ganz einstellen. Nicht, weil es nicht mehr genügend Spenden gäbe. Nein. Spenden gibt es tatsächlich sehr viele. 
Weil es nicht mehr genügend Bedürftige gibt? Nein. Im Gegenteil. Menschen, große und kleine, die auf die Unterstützung angewiesen sind, gibt es nach wie vor, und es werden immer mehr. 

Es fehlt aber an denen, die ehrenamtlich, freiwillig und mit großem Herzen gespendete Kleidung sortieren, reinigen, zusammenlegen und für die Nutzung bereitstellen. 

Die Tafeln, die Aktion Laib und Seele, können das, was ihnen zur Verfügung gestellt wird, nur weitergeben, wenn echte Menschen wie Sie und ich ein paar Stunden ihrer freien Zeit hergeben, Lebensmittel sortieren und packen und dann an die, die sie benötigen, verteilen. Es braucht auch hier Leute, die blickig sind. Und seien wir doch mal ehrlich: Das erfordert keine große Fachkenntnis. Das können wir alle. Oder wir können es lernen. 

In diesem Sinne: Seien Sie blickig. Und bleiben Sie behütet!