Im Tiergarten merke ich manchmal erst nach ein paar Minuten, wie schnell ich eben noch unterwegs war. Die Autos sind nicht weit weg, irgendwo bellt ein Hund, auf dem Weg knirscht Kies unter den Schuhen. Und trotzdem wird es etwas langsamer. Nicht sofort. Eher so, als würde der Abend leise am Ärmel zupfen.
Ich kenne dieses Bedürfnis, auch freie Zeit noch nützlich zu machen. Schnell antworten, kurz planen, nebenbei schon an morgen denken. Langsamkeit fühlt sich dann fast verdächtig an. Als würde man etwas verpassen.
Aber vielleicht verpasse ich eher etwas, wenn ich dauernd weiterdränge. Einen Geruch nach warmem Gras. Das Licht zwischen den Bäumen. Den eigenen Atem. Vielleicht auch den kleinen Raum, in dem Gott nicht drängt, sondern wartet.
Nicht alles muss heute schneller werden. Manches darf liegen bleiben und sich langsam setzen.
Möge dieser Abend Ihnen erlauben, langsamer zu gehen, und Frieden schenken mit dem, was erst wachsen muss.