14.07
2026
21:58
Uhr

Die Weite sehen

Abends an der Spree passiert manchmal etwas Merkwürdiges. Zwischen zwei Brücken, während das Licht auf dem Wasser flackert und die Stadt hinter einem weiterrauscht, wird der Blick plötzlich weiter. Nicht, weil alles ruhig wäre. Sondern weil das Wasser eine andere Geschwindigkeit hat.

Ich merke dann, wie eng der Tag geworden ist: Termine, Nachrichten, Erwartungen, die sich im Kopf gegenseitig auf die Füße treten. Man kann mitten in Berlin stehen und merken, wie wenig Raum innen noch geblieben ist.

Vielleicht braucht es deshalb solche Orte. Einen Streifen Himmel über dem Fluss. Ein paar Minuten, in denen nichts entschieden werden muss. In der christlichen Tradition gibt es den Gedanken, dass das Herz unruhig bleibt, bis es Ruhe findet in Gott. Das klingt groß, aber vielleicht beginnt es genau hier: mit einem Atemzug mehr Raum.

Möge dieser Abend Ihnen Weite schenken — im Blick, im Herzen und in dem Vertrauen, dass Ihr Weg nicht so eng ist, wie er heute scheint.