In Berlin gibt es Sommerabende, die erst spät ihren Klang finden. Die Hitze steckt noch in den Wänden, irgendwo läuft Musik, unten schiebt jemand sein Fahrrad über den Gehweg. Still ist es nicht. Aber der Tag drängt nicht mehr so, und das allein verändert schon etwas.
Ich merke an solchen Abenden oft erst, wie viel ich noch mit mir herumtrage: Gedanken, angefangene Sätze, Erwartungen, alte Geschichten. Dinge, die längst vorbei sind und trotzdem weiter Platz einnehmen.
Loslassen klingt groß. Dabei beginnt es manchmal klein. Mit einem Ausatmen. Mit dem Satz: Ich muss das heute nicht mehr festhalten. Nicht alles lösen. Nicht alles verstehen.
Vielleicht ist dieser Abend genau dafür da: ein wenig leichter zu werden. Dem Leben — und vielleicht auch Gott — zuzutrauen, dass es weitergeht, ohne dass ich alles kontrollieren muss.
Möge dieser Abend Ihnen heute Ruhe lassen für das, was offen bleibt, und die leise Gewissheit: Sie sind gehalten.