Auf dem Dachboden meiner Kirche habe ich heute Vormittag einen alten Abendmahlskelch aus Ton entdeckt.
Ein Sprung zieht sich durch das Gefäß, von der Mitte bis zum Rand. Kaum zu sehen und doch da. Eigentlich hätte man ihn längst aussortieren müssen, ein Kelch sollte schließlich dicht sein. Das gehört zu seinen überschaubaren Aufgaben.
Aber dieser durfte bleiben. Eingewickelt in ein Altartuch. Wer weiß, was er einmal jemandem bedeutet hat. Vielleicht ist er ja trotz seines Risses sogar noch zu gebrauchen.
Woher der Sprung wohl kommt? Ein unachtsamer Augenblick? Ein Sturz? Oder einfach die Jahre?
Ich mag, dass er noch da ist.
So wie sich manche Risse in unserem Leben auch nicht immer reparieren lassen. Und trotzdem ist unser Leben alles in allem doch recht brauchbar.
Beim Abendmahl heißt es: für dich gegeben. Für dein Leben, damit du leben kannst.
Nicht: für dich, wenn du heil bist.
Noch steht der Kelch auf meinem Schreibtisch im Büro. Vielleicht stelle ich ihn morgen zurück oder aber auf den Altar. Dort soll er mich daran erinnern, dass ein Riss nicht das Ende bedeutet.