Eine Person hält eine große Regenbogenflagge hoch, die für Vielfalt und LGBTQ+-Rechte steht. Die Flagge weht lebhaft im Wind, umgeben von Menschen, die an einer Feier oder Parade teilnehmen. Durch den hellen Hintergrund wird die Flagge besonders betont.
27.06
2026
21:58
Uhr

Erinnerung und Stolz

Ein Beitrag von Viktoria Hellwig

Ich fühl mich stolz, das sagt kaum jemand. Stolz ist meist anlassgebunden: Du hast die Abiprüfung bestanden, dann bist du stolz. Du hast den neuen Job ergattert, auch dann bist du stolz. Aber wann sagst du denn: Ich bin stolz, ein Mensch zu sein? Ein Mensch, der hier leben und lieben darf?

Das klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht.

Und genau deshalb wird jeden Sommer im Juni und Juli auf den Pride-Demonstrationen daran erinnert. Weil viele lange erfahren haben, dass sie sich verstecken sollten. Dass ihre Liebe, ihre Identität oder ihr Leben nicht selbstverständlich akzeptiert wurden.

Stolz bedeutet hier nicht Überheblichkeit. Stolz bedeutet: Ich muss mich nicht mehr klein machen. Ich darf sichtbar sein. Ich darf so leben, wie ich bin.

Pride ist deshalb auch immer ein Erinnern: An Menschen, die dafür gekämpft haben. An Menschen, die den Mut hatten, sich zu zeigen. Und an die, die heute noch darum ringen, angenommen zu werden.

„Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.“ (1. Samuel 16,7) Gott sieht den Menschen nicht zuerst durch Kategorien, Sexualitäten oder Identitäten. Gott sieht das Herz.

Und so wünsche ich Ihnen eine gute Nacht mit Gottes Segen.