Am Abend des 2. Weihnachtstages sind die einen noch immer satt vom vielen Essen, die andern sind froh, dass die Verwandten wieder weg sind, wieder andere versacken vor der Glotze, meine Nachbarn sind im Konzert und meine Patenkinder sind mit dem neuen Spielzeug im Arm selig eingeschlafen.
Am Abend des 2. Weihnachtstages lass ich noch einmal Revue passieren, wer mir begegnet ist in den letzten 48 Stunden. Weil ich Pfarrerin bin, sehe ich in den Weihnachtagen unendliche viele Menschen. Natürlich sind sie zählbar und jeder hat seine Geschichte, nicht zuletzt seine Geschichte mit Weihnachten.
Am meisten bewegten mich die Worte eine Frau die sich dankend an der Kirchentür verabschiedete, und sagte: Wissen Sie, ich komme regelmäßig in die Kirche, einmal im Jahr, Weihnachten bin ich da und es tut mir so gut zu hören, dass Sie noch immer daran glauben. Das entfacht auch in mir jedes Jahr diesen Glaubensfunken, den ich schon aufgegeben hatte.
Allein wegen dieser einen Frau, war es gut, dass wieder Weihachten ist. Schlafen Sie gut!