Schmetterlinge und Vögel: verboten! Zur Zeit der Militärdiktatur in Uruguay - in den 70er- und 80er-Jahren – durften politische Gefangene ohne Erlaubnis nicht reden, nicht pfeifen, lächeln oder singen. Sie durften keine Bilder von Verliebten, Schmetterlingen, Sternen oder Vögeln bekommen. Denn sie hätten sich ja beim Betrachten kurz glücklich fühlen können - und das wollte man ihnen nicht zugestehen.
Der Dichter Eduardo Galeano erzählt darüber eine Geschichte: Der Familienvater Didaco Perez war wegen "ideologischer Ideen" eingesperrt. Seine fünfjährige Tochter malte ihm ein Bild, mit einem Vogel drauf. Es wurde von den Gefängniswärtern zerrissen. Beim nächsten Mal brachte sie eine Zeichnung mit Bäumen mit. Bäume sind nicht verboten und das Bild kommt durch.
Didaco freut sich über die Zeichnung, und fragt dann, was die kleinen farbigen Punkte oben im Baum sind: "Sind das Orangen?“ Das Mädchen sagt leise: "Pssst!". Dann flüstert sie in sein Ohr: "Das sind doch keine Früchte, Papa. Es sind die Augen der Vögel zwischen den Zweigen, die ich für dich hereingeschmuggelt habe.“
Gute Nacht und träumen Sie was Schönes!
Quelle: „Verbotene Vögel“ nach Eduardo Galeano. Gefunden in: Schätze aus 20 Jahren „Der andere Advent“, Andere Zeiten (Hamburg), 12014, S. 39.