Langsam verlischt das Licht, die Stimmen der Instrumente verstummen, die Welt scheint zu versinken, wir halten fast den Atem an – da, mit einem Mal öffnet sich der Vorhang und gibt den Blick frei, das Spiel beginnt und mit ihm die Freude der Anfänge. Wie sehnen wir uns danach, Anfänge zu erleben!
Diese Anfänge gehören zu den Grundbewegungen unseres Lebens ...Mit dem Anfangen nicht aufhören, ist es das, was Menschen so erfrischend wirken lässt? Und andere, die mit sich selber nichts anzufangen wissen, so bedrückend? Und andere, denen man das Anfangen verwehrt, nicht zugesteht, unsere Barmherzigkeit fordern?
Anfänge begleiten uns „von Anfang an“ - der Tag, an dem wir in den Kindergarten durften und der Tag, an dem die Schule vorbei war und etwas Anderes anfing – Ausbildung, Reisen und Erleben, Fahrprüfung, Liebesverwirrungen. Und der Anruf des Schwiegersohnes: „Es ist ein Mädchen!“.
Und der Tag der Entlassung aus dem Krankenhaus, der erste Tag im Pflegeheim.
Anfänge, Auftakte, Aufbrüche - und nun wieder ein Jahresanfang. Es gibt keinen Anfang ohne Vorgeschichte – die Bibel erzählt von Gott, dem ersten Anfänger, unserem Schöpfer, der, man muss unwillkürlich lächeln, immer nur anfängt. Manch einer würden sagen: „So ein Anfänger!“ – doch das ist ein dummer Tadel! Kennt der nicht “Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...“?
Gott ist ein Anfänger, die Bibel erzählt mehr von Anfängen als von Erfüllungen. Schöpfung, einen Bund mit Gott schließen, Advent, Weihnachtsnächte, Osterfrühe, Pfingstmorgen – immer wieder Anfänge! So wie heute Morgen...
Es wird auch Anfänge geben in diesem Jahr, zwischen Konflikten und Brüchen, Verlegenheiten und unverhofftem Glück! Gott hat uns als anfängliche Menschen geschaffen – das ist schwer und schön! So gebe ich einen alten Bauern-Glückwunsch weiter:
„Und so wünsche ich denn, dass euer Gnaden in dem neuen Jahr länger leben möchte als in dem alten!“