Bald wieder Februar! Dabei standen wir eben noch mit den Gläsern in der Hand und sahen aufs Feuerwerk und spürten den kleinen Stich vom Zauber des Übergangs. Gut, niemand glaubte wirklich, dass das neue Jahr ein neues wird und man ginge hinein wie in einen leeren Raum, machte die Tür hinter sich zu und atmete auf. Oder das neue Jahr wäre ein unbeschriebenes Blatt. Wir könnten darauf schreiben, was wir uns wünschen, unbedingt wollen, was sein muss.
Das neue Jahr verteilte keine Wunschzettel an der Tür. Es war wie immer, als es uns hineinließ.
Ob aber wirklich niemand glaubt, dass da nicht doch ein Zauber ist beim Übergang? Wir sind doch unbelehrbare Leute, in unseren Köpfen ist Raum für Verrücktes, noch nie Gedachtes, für tausend Wünsche!
Als noch alles neu war, am Beginn der Schöpfung, gab es einen paradiesischen Baum, den Baum der Erkenntnis nennt ihn die Bibel. Und wir wissen noch, dass die Äpfel der Erkenntnis daran hängen, aber der Schweizer Schriftsteller Hugo Lötscher weiß sogar, dass auch die Birnen der Phantasie an ihm hängen! Pflücken muss man beide, die Äpfel der Erkenntnis von dem, was gut ist und was böse, und die Birnen der Phantasie. Schauen wir uns die Welt am Jahresanfang an, möchte man meinen, es blieben beide Früchte hängen.
Und doch soll man uns an unseren Früchten erkennen, darauf will ich beharren in der jüdisch-christlichen Tradition. Nicht an denen, die wir an den Bäumen hängen lassen, als Idee, als Traum, sondern an denen, die sich sehen lassen in dem, was wir tun. Dass wir nicht nur blühende Phantasien vom guten Leben für alle haben, sondern aus diesen Blüten auch Früchte werden, fassbare, essbare, nährende – es wäre uns allen zu wünschen. Und es ist schon bald wieder Februar…