Ein Mann mit einem Gehwagen sitzt an einem Springbrunnen auf einem Platz. Hinter ihm sind grüne Bäume und Gebäude zu sehen. Die Sonne scheint, und Wasser spritzt aus den Brunnen, was eine entspannte Atmosphäre schafft.
30.01
2026
06:50
Uhr

Trotzenergie

in memoriam Helmut Ruppel

Ein Beitrag von Helmut Ruppel

Er war erst sechzig, als es ihn erwischte: Schlaganfall, rechtsseitige Lähmung, Sprachverlust. In der Reha tat man alles – mit wenig Erfolg. Gehen war unmöglich, sprechen konnte er bloß einige schwer verständliche Worte, die rechte Hand war krumm – der Eintritt ins Pflegeheim wurde unumgänglich.

Als ich davon hörte, dachte an ich an den Psalmenvers: „Ich bin wie ein zerbrochenes Gefäß.“

Da gab es einen Trotz in ihm, eine Trotzenergie. Er hatte genaue Vorstellungen von dem, was er wollte und brauchte: Unbedingt einen motorisierten Rollstuhl, um selbständig ausfahren zu können.

„Ist das nicht zu gefährlich?“, fragte die Pflegedienstleiterin.

„Was er im Kopf hat, setzt er auch durch“, antwortete seine Frau, aus Erfahrung.

So war es, er gab nicht nach, bis das Gerät vor ihm stand. Er ließ sich hineinsetzen und begann im Haus und im Garten herumzukurven. Bald fuhr er auch in den Ort. Und baute prompt einen Unfall, stieß mit einem Auto zusammen. Das bekam ein paar Kratzer und er ein paar Schrammen im Gesicht und an den Armen.

„Wie kann man einen Menschen in dieser Lage allein auf die Straße lassen“, brummte der Polizist, der ihn zurückschob. „Wir können ihn ja nicht einsperren“, sagten die Pflegerinnen. „Wie ich ihn kenne, wird er bald wieder ausfahren“, seufzte seine Frau. Mit Verbänden an Kopf und Armen sah er aus dem Bett zu ihr und lachte - und nickte.

„Sei mutig und dein Herz sei stark“, sagt die Bibel, und ein Mensch, der weiß, wie verletzlich sein Leben ist, angreifbar, schnell zu erschrecken, müde im Widerstehen - ob er dies hören kann? Mit unserer Hilfe?