Ein verlassener Raum mit einer weißen, schneebedeckten Couch im Vordergrund. An der Wand hinter der Couch befindet sich ein Wandbild in Blau- und Orangetönen. Der Boden ist mit einer dünnen Schicht Schnee bedeckt, und die Wände zeigen Abnutzungsspuren.
27.01
2026
06:50
Uhr

Gegen das Vergessen

in memoriam Helmut Ruppel

Ein Beitrag von Helmut Ruppel

Ich kann das niemals mehr vergessen:

überm Dezemberschnee das Schlittenknirschen.

Das schrille Knirschen, langsam wie ein Stöhnen,

verkrampftes Weinen.

Als wär das alles gestern erst gewesen:

Bruder und Schwester in den weißen Laken.“

Der Dichter Juri Woronow erinnert sich an die Belagerung der Stadt Leningrad in der Zeit vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944 – 872 Tage. Ihr Zweck war vom deutschen Oberkommando mit zwei Worten angegeben: „Alles verhungert!“ Schon Anfang November 1941 verkündigte der Diktator im Münchner Bürgerbraukeller unter großem Beifall, dass die Einwohner Leningrads nun verhungern würden.

Als die Blockade zu Ende ging – heute vor 70 Jahren – waren ihr etwa eine Million Menschen zum Opfer gefallen. Die Blockade Leningrads gehört zu den größten deutschen Kriegsverbrechen.

Der 70jährigen Wiederkehr der Befreiung Leningrads ist heute Nachmittag ein Gedenken im Deutschen Bundestag gewidmet. Eingeladen zum Gedenken ist der russische Schriftsteller Daniil Granin, der das erste „Blockade“- Buch zusammengestellt hat. Aber er bringt uns Deutschen auch ein Wort mit, das in den schlimmen Zeiten verboten war und bis heute quer und widerständig geblieben ist: Barmherzigkeit, russisch miloserdie.

Die jungen Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen versuchen heute in St. Petersburg in praktischer Sozialarbeit Zeichen der Versöhnung zu setzen, gegenüber alten und geschwächten Menschen der Barmherzigkeit Gestalt zu geben.

Der 27. Januar, heute, ist ein Tag der biblischen Verheißung für die Menschen, sie heißt: „Sie werden den Krieg nicht mehr lernen!“