Schild mit Piktogrammen eines Mannes und einer Frau, die symbolisch darauf hinweisen, dass sie dringend zur Toilette müssen. Der Text „Toilet“ ist auf dem Schild angebracht, zusammen mit einem Pfeil, der nach rechts zeigt.
16.07
2025
06:50
Uhr

Ansteckende Fröhlichkeit

Ein Beitrag von Kristóf Bálint

Unlängst war ich mit meiner Frau und Freunden auf einem ausgedehnten Spaziergang rund um den Berliner Schlachtensee. In einer am Rande befindlichen Gaststätte musste ich einen Ort aufsuchen, so weit, so normal.

Was ich aber dort erlebte, war alles andere als üblich. Am Toiletten-Eingang stand ein junger Mann, der vor Freude übersprudelte, er sang und schwang vergnügt seinen Putzlappen. Ihm machte die Arbeit sichtlich Spaß und alle öffneten ihr Portemonnaie und gaben großzügiger als es das Schild mit der Angabe von 50 Cent anzeigte. Sie dankten mit ihrem Obolus weniger der Dienstleistung als der kleinen aber feinen Darbietung, die so ansteckend fröhlich war. Keiner der Menschen, die aus dem Keller wieder nach oben stiegen, hatte mehr ein griesgrämiges Gesicht, alle lachten und strahlten und erzählten an ihren Tischen von der fröhlichen Begegnung.

Ich frage mich: Ob das im Alltag auch an anderen Stellen funktioniert? Im Dorf grüßt sich ja jeder, aber in der Stadt? Ich habe es ausprobiert und Menschen unterwegs wenigstens kurz angelächelt und siehe da, ich bekam das eine oder andere Lächeln zurück. Freilich auch verwunderte oder befremdete Blicke, aber das Lächeln derjenigen, die sich angesprochen fühlten und es mir erwiderten, war es wert.

Ich bin erstaunt, wie wenig nötig ist, um einen Stimmungswandel beim anderen zu bewirken. Ein Lächeln, ein freundliches Wort, eine Geste der Zuwendung. Sie kosten nicht viel und sind doch so wirksam. Viel härter und stabiler als so manch andere Währung, mit der wir sonst bezahlen.

Damit können wir die Welt tatsächlich ein wenig verändern und es wäre schon viel getan, wenn nur ein Mensch heute das Gefühl hätte: Ich wurde heute gesehen und angelächelt. Wie schön.