Unsere Enkelsöhne sind unentwegt in Bewegung. Wenn sie dann mal stillsitzen, höre ich oft „Mir ist langweilig“. Daran merke ich, dass ich älter werde, aber nicht allein das. Ich merke auch, dass wir in verschiedenen Welten leben. Ich selbst habe schon so viel erlebt und gesehen. Mir ist gar nicht mehr so oft danach, etwas Neues zu entdecken. Auch weil ich merke, dass ich das, was ich schon zu kennen meine, noch gar nicht genug verstanden habe. Da möchte ich mehr wissen, besser verstehen und bleibe lieber am Bekannten dran.
Bei unseren Enkelsöhnen ist das anders. Sie müssen sich erst die Welt erschließen. Müssen erkennen, was geht und was nicht. Wie etwas funktioniert und warum Dinge wann kaputt gehen. Sie müssen herumtollen um spüren zu können, wann ihnen die Luft knapp wird und wo ihre Grenzen liegen.
Ich habe es mir deshalb zur Gewohnheit gemacht, bewusst Dinge mit ihnen zu spielen, die Herausforderungen bieten – und zwar ruhiger Art: So spiele ich mit Ihnen Memory, Domino, Jenga oder Mikado. Erstaunlicher Weise spielen Sie das gern: zum einen können sich die drei da messen, sie können ihren Opa schlagen und gleichzeitig strengt es mich nicht so sehr an, wie auf einem Bolzplatz hinter ihnen herzulaufen und chancenlos zu sein.
Die Herausforderungen beim Spiel sind die: sorgsam und in aller Ruhe darauf zu achten, dass wir einen Stein lösen, ohne das gleich der Turm einfällt. Sich nicht zu bewegen, damit auch die kleinen Holzstäbe sich nicht bewegen. Dabei quasi nebenbei zu lernen, dass Verlieren zum Spielen dazugehört, auch das will gelernt sein.
Das fällt den Jungen schwer, aber sie merken an mir, dass man sich zwar ärgern, aber trotzdem gleichzeitig mit dem Gewinner mitfreuen kann. Eine Eigenschaft, die zunehmend verloren geht, wo nur Gewinner etwas zählen.
Gewinner brauchen immer andere, die bereit sind zu verlieren, und das geht nur in Gemeinschaft. Davon lebt das Spiel: Mit der Bereitschaft, sich für das Verlieren zur Verfügung zu stellen, denn ich brauche die anderen ja auch, wenn ich mal gewinne. Deshalb: in der Gemeinschaft sind alle gemeinsam Gewinner. Im Kleinen wie im Großen.